Teil eines Werkes 
Bd. 1 [H. 1-3] (1906) Der Feldzug gegen die Hereros
Entstehung
Seite
111
Einzelbild herunterladen
 

11. Die Ereignisse bei der Ostabteilung bis zu deren Auflösung.

111

Die Hereros, zu denen offenbar ein großer Teil der Waterberg- und fast alle Otjimbingueleute gestoßen sind, zählen mindestens 5000 Gewehre. Um ihren Wider­stand zu brechen, muß die Truppe so stark sein, daß sie imstande ist, alle Kräfte des Feindes gleichzeitig anzugreifen, und nicht wie jetzt, erst den rechten Flügel und dann den linken. Selbstverständlich kann hierbei von einer »Umzingelung« der Herervs niemals die Rede sein, denn um eine Masse von 50 000 Menschen zu umzingeln, würde die Versammlung einer so starken Truppenmacht gehören, wie sie hier in diesem wasser- und kulturarmen Lande in enger Vereinigung mittelst Ochsengespannen nicht unterhalten werden kann."

Oberst Leutwein beabsichtigte nunmehr, aus der bisherigen Hauptabteilung mit Hilfe der neueintreffenden Verstärkungen eine Westabteilung in Otjosasu und eine Südabteilung bei Onjati zu organisieren; die in ihrer bisherigen Zusammensetzung verbleibende Ostabteilung sollte nach Otjihcmgwe zurückgenommen und hier neu er­gänzt werden. Nach Erlangung ihrer Gefechtsbereitschaft sollten dann alle drei Ab­teilungen konzentrisch auf Katjapia, den Mittelpunkt der feindlichen Stellung, vorgehen. Daß der Feind die Ruhepause benutzen würde, um mit seinen Viehherden nach Osten über die Grenze auszuweichen, hielt Oberst Leutwein für wenig wahr­scheinlich, da nach seiner Ansicht das ganze Volk der Hereros in seiner alten Heimat zu siegen oder zu sterben fest entschlossen war". Die am 20. April von der Ost­abteilung eingehenden Nachrichten ließen indessen die Durchführbarkeit der geplanten Operation fraglich erscheinen.

^. Die Ereignisse bei der Gstabteilung bis ;u deren Auflösung.")

Die Ostabteilung hatte sich nach dem Gefecht von Owikokorero bei Onjatu ver-Die Lage der einigt.**) Hier erreichte sie am 17. März der Operationsbefehl vom ^-^^Ge- der ihr auftrug, von Ekuja nach Otjihaenena zu marschieren; dieser Befehl war ^ von inzwischen von den Ereignissen überholt worden. Der Führer der Ostabteiluug Owikokorero. mußte selbständig einen den veränderten Verhältnissen entsprechenden Entschluß fassen. Bei der damaligen Lage**) erschien ihm abwartendes Verhalten bei Onjatu geboten, bis die Hauptabteilung zum Vormarsch bereit war. Durch ausgedehnten Patronillen- gang sollte inzwischen die Aufklärung gegen den bereits festgestellten Gegner fortgesetzt und dauernd die Fühlung mit ihm erhalten werden, eine Aufgabe, deren Erfüllung bei der geringen Zahl von Berittenen und dem mangelhaften Zustande der Pferde in dem unübersichtlichen Buschgelände allerdings nicht leicht war. An das Hauptquartier wurde unverzüglich Meldung von diesem Entschluß erstattet.

Am 21. März trafen aus Windhuk die erwähnten, der veränderten Lage Rechnung tragenden Weisungen ein; 7) nach diesen war die Hauptabteilung am 1. April

Kriegsgliederung siehe Anlage 1. »*) Seite 70. **») Seite 90. f) Seite 92.