82
Der Feldzug gegen die Hereros,
zu marschieren. An der Wasserstelle Okamita erreichten die Westabteilung am 23. neue Weisungen des Obersten Leutwein vom 11. März, in denen ihr anbefohlen wurde, den vor ihr zurückgehenden Feind möglichst nach Norden oder Nordosten abzudrängen und, wenn irgend angängig, bei dem für Anfang April in Aussicht genommenen Angriff der Haupt- und Ostabteilung gegen die in den Onjati-Bergen sitzenden Hereros von Norden her über Erindi auf Onjati mitzuwirken. Mit Rücksicht auf die Belastung durch das viele Beutevieh und auf die zahlreichen, meist an Malaria leidenden Kranken beschloß Major v. Estorff indessen, zunächst nach dem nur noch sechs Reitstunden entfernten Okahandja zu marschieren, um erst von hier aus die befohlene Bewegung anzutreten. So traf am 24. März die Westabteilung in Okahandja ein, wo sie als solche aufgelöst und in die Hauptabteilung eingefügt wurde. Die Marine-Infanterie wurde von der Schutztruppe wieder getrennt und fand als Besatzung von Okahandja Verwendung.
Trotz großer Gcländeschwicrigkeiten, trotz der Nähe eines überlegenen Feindes und ungünstiger Gesundheitsverhältnisse war es der Westabteilung gelungen, nicht nur ohne wesentliche Einbuße an Gefechtskraft das vorgeschriebene Marschziel zu erreichen, sondern sie brachte auch dem Feinde empfindliche Schläge bei zu eiuer Zeit, wo alle anderen deutschen Truppen durch die Verhältnisse zur Untätigkeit verurteilt waren. Ermöglicht war ihr dies vor allem dadurch, daß sie im Gegensatz zu den anderen Abteilungen beritten war. Durch den Verlust so zahlreichen Viehes, ihres wertvollsten Besitzes, waren die Hereros an ihrer verwundbarsten Stelle getroffen und in ihrer Widerstandskraft erheblich geschwächt worden.
8. Die Tätigkeit der Hauptabteilung im Märs und die Vorbereitungen
für die Aprilkäinpfe.
Die Hauptabteilung war zu dieser Zeit noch in der Bildung begriffen. Erst wenn die noch zu erwartenden Transporte Puder und Bagenski eingetroffen und beritten gemacht waren, sollten die Operationen beginnen. Vor Anfang April konnte dies nicht der Fall sein.
Kapitänleut- Borher war es notwendig, die Gegend südlich der Bahn zwischen Otjimbingne, stW in Okahandja und Wiudhuk von den hier immer noch zahlreich sitzenden Hercrvs Swcckovtal' ZU säubern. Sie bildeten dort eine stete Gefahr für die Sicherheit der Bahn vor. und mußten verdrängt werden, ehe die Hauptabteilung an ein Vorgehen in öst- MitteFebruar, licher Richtung denken konnte. Schon Mitte Februar war zu diesem Zwecke von dem Landungskorps des „Habicht" und Teilen des Eisenbahn-Detachemcnts südlich der Bahn über Otjimbingue längs des Swakop nach Okahandja eine Streife*) unter-
*) Eine ausführliche Darstellung dieser Unternehmung ist in dem I. Beiheft zur Marine- Nundschau 1905 bereits veröffentlicht.