Druckschrift 
Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
Entstehung
Seite
28
Einzelbild herunterladen
 

28

von Kautschuk, weuu die crwähuteu Versuche vou Ersolg gekröut siud. Im allgemeinen muß mau aber sagen, daß die Ausbeute der Urpro­duktion eiue namhafte Steigerung zunächst nicht zu er­hoffen hat.

IV. vie wirtschaftliche Setötigung Ser eingeborenen.

Die Eingeborenen der deutschen Schutzgebiete steheu im allgemeinen auf einer ziemlich niedrigen Kulturstufe. Materiell uud geistig habeu die Araber die ostafrikanische Küste seit Jahrhunderten beeinflußt und dort eine Art Halbkultur geschaffen. In ähnlicher Art haben die Völker im Norden der Kamerunkolonie den Einfluß des Muhammedauismus und der arabischen Kultur, weuu auch in etwas geringerem Grade, er­fahren. Die Bewohner von Schantung nehmen, mindestens was ihre materielle Kultur aulaugt, eiue besondere Stellung ein. Die christliche Mission ist in allen Kolonien, meist schon lange vor der deutschen Besitz­ergreifung, tätig gewesen, hat das Kulturuiveau eiuzelner Bevölkeruugs- teile unleugbar erheblich gehoben, aber angesichts der ungeheuren Ausgabe, ihrer schwachen Kräfte und der verhältnismäßig kurzen Zeit im Verhältnis zum Ganzen doch nur erst verschwindend wenig zu leisten vermocht. Nur Snmoa ist gänzlich christianisiert, aber leider mehr dem Namen nach als in Wirklichkeit; immerhin ist der allgemeine Kulturstand hier etwas höher zu bewerten, als aus den übrigen deutschen Südseebesitzuugen. ,

Mit den im Vorhergehenden angedeuteten Einschränkungen kann man sagen: die Eingeborenen unserer Schutzgebiete sind geistig träge und materiell anspruchslos, ohne Kulturbcdürfuisse uud ohue Streben nach geistigem uud materiellem Fortschritt. Sie sind daher auch weder besonders kauflustig, uoch besonders kaufkräftig. Wenigstens ist die Auzahl der Waren, für die sie Ab­nehmer sind, sehr beschränkt und der Wert derselben, ihrer Kaufkraft ent­sprechend, sehr gering.

Wie aus den folgenden Detailansführungen hervorgehen wird, pro­duzieren sie auch uur für den eigenen Bedarf oder höchstens für den Ab­satz in der nächsten Umgebung, nicht aber für den Welthandel, und was sie produzieren, würde auch für den Welthandel nur in wenigen Fällen inbetracht kommen.

In: Deutsch - ostafrikanischen Schutzgebiet treiben die Ban - tu-Stämme*) meistens Ackerbau, häufig daneben auch Viehzucht, selten letztere allein. Einen besonderen Ruf als Ackerbauer geuießen die Waschambaa in Usambara und die Wauyamwesi. Man zieht verschiedene Bohnen- und Hirsearten, z. B. Durra oder Sorghum (rawina,), Bohnen (Kuväs), Mais (ivtiinäi), Reis (mxunxa), Maniok (mkvxo), Bataten (viaxi), Erdnüsse (irjuKu), Sesam (simLiw), Erbsen (bag.21), Bananen (näi/i), Ta­bak (trundako), Zuckerrohr (mus.) usw. Am wichtigsten für den Lebens­unterhaltsind das Kafferkorn (mtsina), die Banane und die Kokosnuß. Zahl-

^) Vergleiche über die ostafrikauische Bevölkerung mein ,,Deutsch-Ostafrika", Stuttgart 1903.