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Unsere Kolonien, was sind sie wert, und wie können wir sie erschliessen? : Ein Kolonialprogramm / August Seidel
Entstehung
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I. Anleitung.

Wenn wir den Wert unserer Kolonien feststellen wollen, so müssen Wir sie an den Zwecken messen, um deretwillen wir sie erworben haben. Wir haben aber bekanntlich in der Hauptsache Kolonialpolitik betrieben, weil wir

1) Ansiedelungs gebiete für unsere starke Auswanderung suchten,

2) Stützpunkte brauchten für den Schutz unseres Übersee­handels,

3) Eigene Bezugsquellen haben wollten für unseren starken Ver­brauch an Kolonialerzeugnissen,

4) Neue uud bequeme Absatzgebiete nötig hatten für unsere In­dustrie er Zeugnisse.

Wer die deutsche Wirtschaftsgeschichte der letzten 50 Jahre kennt, wird diesen vier Forderungen gewiß ein bedeutendes Gewicht zuerkennen müssen. Sie schrieen nach Befriedigung.

Ebensowenig läßt sich bestreiten, daß eigene Schutzgebiete in besonders hervorragender Weise geeignet waren und sind, diesen brennenden Bedürfnissen Befriedigung zu schaffen.

Unter der eigenen Flagge hat man erheblich größere Aussicht, die Auswanderer Übersee national und wirtschaftlich noch lange an das Mutterland zu binden. 5Iün^ auf eigenem Grund nnd Boden kann man wirklich starke Flottenstützpunkte schaffen. Die Hunderte von Millionen, "däZ deutsche Volk alljährlich für Kolonialprodukte ausgibt, bleiben im eigenen Säckel, wenn sie in eigene Kolonien fließen. Eigene Gebiete öffnen sich leichter und williger dem Absatz deutscher Fabrikate als fremd­herrliche Länder.

Freilich die Erwerbung, Unterwerfung, Erforschung, Verwaltung und wirtschaftliche Erschließung von Kolonien kostet Geld und erfordert nicht nur hohe einmalige Aufwendungen, sondern sicher auf lange Jahre hinaus, vielleicht für immer, erhebliche jährliche Ausgaben. Wir geben im Durch­schnitt vou außerordentlichen Erfordernissen abgesehen jetzt jährlich etwa 30 Millionen für unsere Schutzgebiete aus, und der Zeitpunkt ist noch nicht abzusehen, wo diese Summe sei es durch Minderausgaben oder Mehreinnahmen etwa sich verringert. Wir müssen vielmehr sicher noch mit der Notwendigkeit erhöhter Aufwendungen für die nächsten Jahr­zehnte rechnen.

Aber und das kann nicht nachdrücklich genug hervor­gehoben werden diese Summe erscheint gering gegen-

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