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V. Das Watussi-Rind.
Von Dr. Leopold Adametz,
O. ü. Professor an der K. K. Universität in Krakau.
Auf seiner letzten Reise, in den Jahren 1891 —1893 beobachtete Herr Dr. O. Baumann auf dem 1500—2000 Meter hoch zwischen dem Tanganyika und Victoria-Nyansa gelegenen Plateau-Landschaften eine durch ungeheuere Hörnerentwickelung ausgezeichnete Rinderrasse. Dieselbe erweckte sein Interesse um so mehr, als östlich von dem geschlossenen Verbreitungsgebiete dieser Rasse durchaus nur die gewöhnlichen ostafrikanischen Zebus gehalten werden. Dr. Baumann fand diese Rasse namentlich in dem westlich von dem Victoria-Nyansa gelegenen Urundi und Ruanda, ferner in Ussui und Karagwe. Sie ist eine den Watussi- (Wahuma) Stämmen charakteristische Rinderrasse.
Auf Grund der mir von Herrn Dr. O. Baumann freundlichst zur Verfügung gestellten Notizen, Photographien und eines wohlerhaltenen aus Urundi stammenden Stierschädels, liefere ich im Folgenden die Beschreibung dieser interessanten Rasse. Durch dies Material war ich in die Lage versetzt, ohne Schwierigkeit die Stellung dieser Rasse im zoologischen Systeme und die Zugehörigkeit derselben zur Sanga-Gruppe festzustellen.
Das Rind ist nach europäischen Begriffen von mittlerer Grösse, einfarbig röthlich bis dunkelbraun vorwiegend kastanienbraun und besitzt ein ähnlich dunkelpigmentirtes Flotzmaul. Desgleichen sind auch die übrigen, dem Auge zugänglichen Schleimhäute pigmentirt. Das Deckhaar ist kurz, ziemlich dicht gestellt und glänzend.
Der Höcker ist bei Kühen namentlich oft nur schwach entwickelt, wie dies auch die nach einer Photographie angefertigte Abbildung (pag. 85) erkennen lässt. Auf derselben ist der Höcker nach Dr. Baumann auffallend stark entwickelt, derselbe ist sonst oft kaum wahrnehmbar. Nur in gutem Ernährungszustande befindliche Stiere zeigen ihn.
Die feinknochigen Extremitäten zeigen nur mässige Muskelentwicklung und besonders die sogenannte Hosenparthie erscheint auffallend leer.