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Durch Massailand zur Nilquelle : Reisen und Forschungen der Massai-Expedition des deutschen Antisklaverei-Komité in den Jahren 1891 - 1893 / von Oscar Baumann
Entstehung
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III. KAPITEL.

Im östlichen Nyansa-Gebiet.

Katoto und Mwansa. Ukerewe. - Ukara. Der Baumann-Golf. Gefechte in Mugango. Die Schaschi-Länder. - Ngoro'ine. Ikoma. Kämpfe in Ututwa. Ntussu. Meatu. Munyihemedis Niederlassung. Zur Nyarasa-Steppe. Der Salzfluss Simbiti. Die Elephantenjäger. Die Weiber der Karawane. Usmau und Usukuma. Mwansa.

In dem ansehnlichen, von festem Stangenzaun umgebenen Hüttenkomplex des Häuptlings schlugen wir wenige.Schritte vom Nyansa, in Katoto, unser Lager auf. Die Eingeborenen, mit Ziegenfell bekleidete Waschaschi, waren rasch mit uns befreundet und brachten Lebensmittel. Wir schwelgten in seltenen Genüssen wie Fischen, Zuckerrohr, Tomaten und vorzüglichen Gurken, wozu in den nächsten Tagen noch Bananen aus Ukerewe und Reis aus Usukuma traten. Behaglich lagen die Leute am Strand, nahmen auch trotz der Krokodile eifrig Bäder im Nyansa, beobachteten die Flusspferde, die manchmal ihr breites Maul über die Wasserfläche erhoben, die Tauchervögel, die mit unendlicher Leichtigkeit der Bewegung über das Wasser schwebten und die Kanus, die von kräftigen Ruderern getrieben, den sonnenbestrahlten See belebten. Sie bemerkten dabei auch merk­würdige scheinbare Ebbe- und Flutherscheinungen des Nyansa und kamen eilig, mir dies zu melden. Ich lachte über diese Wahrnehmung, da das Vorkommen von Gezeiten bei einem Binnengewässer wie dem Victoria-See ganz ausgeschlossen erscheint. Wie gross war jedoch mein Erstaunen, als ich in den nächsten Tagen thatsächlich einen Wechsel des Niveaustandes um ca. 30 cm wahrnehmen konnte! Die Erklärung dafür bieten die regelmässigen Seewinde die täglich einsetzen und das Steigen des Wasserspiegels am Ufer hervorrufen.

Das Dolce far niente meiner Leute wurde fast täglich durch mächtige Donnerwetter gestört, die stets Nachmittags mit unerhörter Wucht hereinbrachen.