II. KAPITEL.
Durch Massai-Land zum Victoria-Nyansa.
Die östliche Massai-Steppe. — Umbugwe. — Der Manyara-See. — Das Mutyek-Plateäu. - Ngorongoro. — Der Eyassi-See. — Serengeti. — Ikoma. — Katoto.
Die Erkundigungen, welche ich bei vielgereisten Karawanenführern eingezogen, hatten mir die Ueberzeugung verschafft, dass ich, in Luftlinie von Aruscha zum Victoria-Nyansa haltend, mindestens 40 Tagereisen ohne Nahrung zurückzulegen habe. Dieser Umstand erschien mir stets als die grösste Schwierigkeit meiner Aufgabe. Während von anderer Seite die Massai - Gefahr als nahezu unüberwindliches Hinderniss für diese Route angesehen wurde, hielt ich diese für vollkommen unerheblich. Denn Swahili-Karawanen und in neuerer Zeit auch Europäer durchziehen besonders in der englischen Interessen-Sphäre Jahr aus Jahr ein das Massai-Land, ohne dass die Massai — die eben nur Viehräuber sind — ihnen irgend welche ernste Schwierigkeiten bereiten. Dass sie selbst im schlimmsten Fall nichts weniger als unüberwindliche Gegner sind, ist auch schon oft bewiesen, und gerade jetzt, wo die Viehseuche sie dem Hungertode nahe brachte, erschienen mir alle Befürchtungen als einfach lächerlich. Die Karawane für 40 Tage zu verproviantiren, war jedoch nahezu unmöglich, und ich beschloss, einen Umweg nicht zu scheuen, um unterwegs einen bewohnten und Proviant liefernden Platz anzulaufen. Deren gab es nur zwei, im Norden Ober-Aruscha, im Süden Umbugwe. Ober-Aruscha war und ist Europäern stets feindlich gesinnt, ich konnte fast sicher darauf rechnen, dort angegriffen zu werden, wobei noch die Möglichkeit der ProviantbeschaffuVig zweifelhaft wurde. Von Umbugwe war nur bekannt, dass dort eine Swahili- Karawane einmal niedergemacht worden und das Land seither sorgfältig ge-