8. Kapitel.
Distriktschef von Otjimbingwe.
Die Äerero. — Ein Tag auf der Militärstation. -- Ein Kriegs- und Iagdzug gen Süden. —
Zur Naukluft,
ährend sich die kriegerische» Ereignisse im Groß-Namaland abspielten, ging die Einrichtung des Distriktes Otjimbingwe stetig vorwärts. Die Äerero, mit denen wir vor dieser Zeit niemals in engere Berührung gekommen waren, verhielten sich im allgemeinen abwartend und ruhig, wenn auch kleinere Reibereien infolge der Neuordnung der Verhältnisse nicht ausblieben. Mir persönlich mußte vor allem daran liegen, die Charaktereigenschaften, Sitten, Gebräuche und Rechtsanschauungeu dieses Bcmtu- kaffernstammes möglichst schnell und genau kennen zu lernen. Was ich bisher über das Leben und Treiben der Äerero, besonders aber über ihre Stellungnahme gegenüber der im Verhältnis zu anderen Kolonien sehr starken weißen Bevölkerung Südwestafrikas, gehört hatte, war wenig vertrauenerweckend. Bedrückungen und Vergewaltigungen weißer Kaufleute waren an der Tagesordnung gewesen, wobei die Kaffern ihre Macht und numerische Überlegenheit einzelnen gegenüber schonungslos und ohne auch nur einen Schein des Rechts zu wahren, ausgenutzt hatten.
Von den weißen Einwohnern Otjimbingwes wurde demgemäß die Besehung des Ortes, um die sie schon häufig gebeten hatten, mit großer Freude begrüßt. Einige von ihnen hatten in stetem Streit und steter Furcht vor deu Kaffern gelebt, andere hatten sich Ruhe und Frieden dadurch erkauft, daß sie alle Forderungen ihrer Quälgeister befriedigten.
Von Bezahlung war selten genug die Rede, und auch dann nur nach oft monate-, ja jahrelangem Warten. In vielen Fällen blieb sie auch ganz aus, und die Kaufleute schrieben bei einzelnen besonders gefürchteteu und gewalttätigen Kafferu Jahre hindurch Schuld zu Schuld, in der Äoffnung,