Die Bewohner des größten Teiles von Vorderasien und Kleinasien bekennen sich zur mohammedanischen Religion. Der Islam hat Anhänger bei arischen, uralaltaischen, semitischen und aus zwei oder allen dreien dieser Rassen gemischten Völkern; er bildet ein Bindemittel zwischen diesen Rassen, das allmählich stärker wurde als die Rassengegensätze, so daß sich z. B. arische und semitische Mohammedaner oft weniger schroff gegenüberstehen, als mohammedanische und christliche Arier. Diese Übermacht der Religion vor dem Rassenbewußtsein ist natürlich nur in einem Lande verständlich, wo auf verhältnismäßig kleinem Raume so viele unter sich verschiedene Menschenarten leben wie in Kleinasien, so daß außer den großen Völkermischungen noch Mischungen im Kleinen, in den Familien, oft unvermeidlich sind. Einen anderen politischen und den nationalen Gedanken nahe streifenden Grund für die einende Macht des Islam sprach ein türkischer Diplomat in einem für das soeben erschienene Buch: „Die Vernichtung der englischen Weltmacht und des russischen Zarismus durch den Dreibund und den Islam" (Berlin, W. Borngräber, 1915) verfaßten Aufsatze aus. Er sagt: „So lange die islamische Welt von außen her nicht bedroht war, sind die verschiedenen Rassen und Nationalitäten stets partikularistischen und separatistischen Tendenzen gefolgt, und zwar schon mit dem vierten Kalifate, also kaum 30 Jahre nach dem Tode des Propheten, zog Zwiespalt und Trennung in das mohammedanische Reich ein. Selbst einem Harun al Raschid oder einem Suleiman dem Prächtigen war es
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