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Das 19. Jahrhundert.
je kannte. Rußland ist so wenig für alle Zeiten vom Stillen Ozean zurückgedrängt, wie einst vom Schwarzen Meer, als es Asow wieder räumen mußte. Der beliebte Vergleich mit dem Koloß mit tönemen Füßen hat doch keinen anderen Wert als den einer Redewendung. Ob die neuen Regierungsformen, die sich ja im wesentlichen an abendländische Muster anschließen müssen, zur vollen Europäisierung des Landes führen werden, bleibt abzuwarten. Einstweilen steht dieses zahlreichste kaukasische Volk mit seinem gewaltigen, auch heute noch machtvollen Staate immer noch fremdartig im Kulturleben des 20. Jahrhunderts; es ist in diese Stellung hineingewachsen wescutlich auf dem Wege der Kolonisation.
63. Der Stille Ozean.
Durch die jüngsten Ereignisse in Ostasien ist der Stille Ozean in eine ganz neue Periode seiner Bedeutung getreten. Eine weitere Großmacht ist an seinen Gestaden entstanden, und zwar eine Großmacht, die, soweit Landkrieg in Frage kommt, alleu anderen pazifischen Staaten zurzeit überlegen ist, und deren Lage auch eine starke Entwicklung der Seemacht gestattet. Die Urteile über die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Japaner lauten verschieden; aber niemand kann be- streiten, daß wenigstens die Möglichkeit nicht nur einer scharfen, sondern auch einer siegreichen Konkurrenz mit den am pazifischen Handel beteiligten Europäern uud Amerikanern besteht. Trotz der überraschenden Schnelligkeit, mit der die neue Großmacht sich als solche entpuppte, kann nicht ernstlich bezweifelt werden, daß die ermngene Stellung auf tragfähiger Grundlage ruht. Es kann auch nicht fraglich sein, daß die ganze mongolische, ja die asiatische Welt durch das Emporsteigen der Japaner mitgehoben worden ist und weiter gehoben werden wird. Durch starke Volksvermehrung und große Bedürfnislosigkeit, auch schon durch größere klimatische Anpassungsfähig-