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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
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Das 13. Jahrhundert.

Rechte in Ägypten und Neufundland. Es hat dadurch Frank­reich in Gegensatz gebracht zu Deutschland, das wegen seiner aufblühenden Handelsbeziehungen zu Marokko auf Gleichbe­rechtigung in diesem Lande nicht verzichten konnte, und so eine Situation geschaffen, die weiten und einflußreichen Krei­sen des englischen Volkes wegen der wachsenden deutschen Handels- und Schiffahrtskonkurrenz erwünscht und vorteilhaft erschien, die aber für Frankreich die Gefahr eines Krieges mit Deutschland in sich schloß. Die alte Politik Englands, fest­ländischen Handels- und Machtrivalen festländische Gegner an die Seite zu hängen, hat in den letzten Jahren neue Meister­stücke ihrer Knnst geliefert. Doch hat die Konferenz von Alge- zims im April 1906, unter Berücksichtigung der besonderen Lage Frankreichs, die Unabhängigkeit von Marokko anerkannt und den Grundsatz der offenen Tür aufgestellt. Die unmittelbare Gefahr für den Frieden ist damit beseitigt; der Hergang ist aber ein schlagendes Beispiel dafür, welche Bedeutung kolo­niale Fragen auch in unserer Zeit selbst für die mächtigsten Reiche des europäischen Kontinents gewinnen können. Auch ist die marokkanische Frage keineswegs als gelöst anzusehen. Frankreich hat durch sein Verhalten auch nach Algeziras deut­lich gezeigt, daß es nicht daran denkt, auf seine Pläne zu ver­zichten.

Daß das lange vergessene Afrika durch die Entwicklung des letzten Menschenalters in den Vordergrund der kolonialen Interessen getreten ist, bedarf kaum noch des Hinweises.

S2. Rußland in Asien.

Der größte und volkreichste europäische Staat hat an über­seeischen Kvlonisationsbemühungen bislang keinerlei Anteil ge­nommen. Doch hat Rußland, nachdem es unter Peter dem Großen am Baltischen und Schwarzen Meer Fuß gefaßt hatte, bald das Bestreben gezeigt, auch einen allezeit brauchbaren