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Das 13. Jahrhundert.
Zeit in allen drei afnkanischen Kolonien eine so wesentliche Förderung erfahren haben, sind ein sprechender Beleg dafür und zugleich ein Pfand, daß das Reich seinem Kolonialbesitz die verdiente Aufmerksamkeit zuwenden wird. Wir stehen erst am Anfange dieser Bahn, aber die ersten strauchelnden Schritte, die keinem Volke erspart blieben, haben wir hinter uns; unser Gang wird von Jabrzehnt zu Jahrzehnt sicherer werden.
Weniger günstig haben sich die Dinge für Italien gestaltet. Es hat, ein Zeichen seiner Lebenskraft, von allen romanischen Völkern weitaus die stärkste Auswanderung und daneben doch die stärkste Bevölkerungszunahme aufzuweisen. Sein natürliches Expansionsgebiet wäre die gegenüberliegende Küste Afrikas gewesen. Daß die Franzosen 1881 Tunis okkupierten, wnrde in Italien als eine schwere Kränkung empfunden und ward Anlaß zu der Annäherung an Deutschland und Osterreich, die zum Dreibunde führte. 1885 besetzten die Italiener Massaua und suchten ein Protektorat über Abessinien zu gewinnen, was nach empfindlichen Zwischenfällen und Rückschlägen 1889 gelang. Aber die Niederlage von Adua (in der abessinischen Nordprovinz Tigre) im Jahre 1896 zerstörte alle Hoffnungen auf größere Erfolge, zwang, auf Abessinien zu verzichten und sich mit dem Küstenlands, einem der heißesten Striche der Erde, zu begnügen. Seitdem ist die italienische Kolonialpolitik fast ausschließlich im Kielwasser der englischen gefahren, ihr mehrfach geradezu dienstbar geworden. Die so erlangte Somaliküste kann zunächst nur als ein Erwerb von fraglichen, Werte erscheinen. Aus seiner „erythräischen" Kolonie hat Italien bis jetzt kaum andere Vorteile gezogen, als den Titel ihres Besitzes. In der Bewerbung um den abessinischen Markt scheint es von Frankreich und England überholt zu werden.