Druckschrift 
Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
Seite
131
Einzelbild herunterladen
 

Deutsche und Italiener.

131

ganzen Westen dieser grüßen Insel anerkannt worden. Auch der Sultan von Atschin im äußersten Nordwesten von Su­matra, der sich in einem kleinen Rest seines Gebietes lauge gegen die niederländischen Angriffe zu halten verstand, ist ihnen endlich erlegen. Es hat an Krisen nicht gefehlt, be­sonders hervorgerufen durch das Ausbeutungssystem, an dem die Niederländer, obschon in veränderter Form, auch im 19. Jahrhundert noch lange festgehalten haben. Es sind aber doch, besonders seit 1865, eine Reihe von Reformen durch­geführt. Neue einträgliche Kulturen, besonders die des Zuckers und des Tabaks, haben sich eingebürgert, und das niederlän­dische Volk besitzt in seinem Kolonialreiche nicht nur wie Por­tugal eine Erinnerung an den Glanz früherer Zeiten, sondern eine Quelle kräftig pulsierenden Lebens. Mit Recht ist es stolz darauf, daß es sich in der Bedeutung seines kolonialen Betriebes unmittelbar neben die Großmächte stellen kann.

5V. Teutsche und Italiener.

Eines nationalen Staates entbehrend haben Deutsche und Italiener an der Kolonisation des Entdeckungszeitalters und der folgenden Jahrhunderte keinen Anteil nehmen können. Das Bedürfnis dafür ist aber um so lebhafter empfunden worden, als beide Völker, besonders die Deutschen, fast fort­dauernd einen Überschuß an Arbeits- und Tatkraft in unteren, mittleren, höheren und höchsten Ständen hervorbrachten, der Unterhalt, Fortkommen, Betätigung in der Fremde suchen mußte. Die Deutschen haben seit dem 17. Jahrhundert Siedler für überseeische Gebiete geliefert. Pennsylvanien trat als ein Staat in die Union, in deni die deutsche Sprache anerkannt war. An der Besiedlung der Vereinigten Staaten im 19. Jahrhundert sind die Deutschen, wie schon bemerkt, mit mindestens 5 Millionen beteiligt, und Hunderttausende haben sie nach Australien, Süd-Afrika, Kanada, nach Süd-Brasilien,