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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
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Das 13. Jahrhundert.

48. Das neue französische Kolonialreich.

Aus den schweren Krisen zu Beginn des Jahrhunderts hatte Frankreich nichts gerettet als einige Posten in Ostindien, Röunion, ein Stück Guayana und ein paar Inseln in West­indien, an der Küste Westafrikas und Neufundlands. Heute besitzt es ein Kolonialreich von über sechs Millionen Quadrat­kilometern mit mehr Bewohnern, als es selber zählt.

Die Entwicklung beginnt mit der Eroberung von Algier, die, 1830 noch unter Karl X. begonnen, unter schweren Mühen und Kosten fast ein Menschenalter erforderte. 1881 konnte als türkisches Beutestück Tunis hinzugewonnen werden. Unter Louis Philipp hat man seine Aufmerksamkeit der Südsee zu­gewandt und 1842 das Protektorat über die Gesellschafts- und die Marquesas-Jnseln erworben. Napoleon III. fügte 1853 Neu-Kaledouien hinzu. Er erweiterte auch die Besitzungen in Senegambien, machte aus den einzelnen Posten ein Terri­torium und ließ sich durch die früheren Erfahrungen nicht ab­schrecken, in eine neue indische Rivalität mit England einzu­treten. Auf Besetzung Perims antwortete er 1862 mit der Okkupation des naheliegenden Hafens von Obok an der afri­kanischen Küste, und in Hinterindien nahm er dem Kaiser von Auam 1862 Kvtschinchina, 1867 Kambodjn nb.

Wirklich Großes leistete aber auf diesem Gebiete die Repu­blik, ein Beweis, mit welchem Verständnis das französische Volk diesen Bestrebungen gegenübersteht. An der weitereit Besitzergreifung Afrikas hat Frankreich sich in ganz hervor­ragendem Maße beteiligt und das hinteriudische Gebiet durch die Erwerbung von Anam (1874) und Tonkin (1884, zu einem Reiche von der Größe Frankreichs mit 16 Millionen Ein­wohnern erweitert. Von dort aus hat man maßgebenden Einfluß westwärts in Siam, das seit 1893 als von Frankreich abhängig angesehen werden kaun, nordwärts im südlichen