Teil eines Werkes 
4 (1913) Südwestafrika
Entstehung
Seite
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Luftfeuchtigkeit.

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Witterungsdienstes im Schutzgebiet durchführen, für den trotz seiner Bedeutung die Kolonialregierung bisher so gut wie nichts getan hat.

3. Luftfeuchtigkeit.

Mit der Regenarmut Hand in Hand geht eine geradezu fabelhafte Dampfarmut der Luft. Diese ist aber eigentlich als eine recht günstige Seite des Klimas aufzufassen. Haben wir in ihr eine der Ursachen der starken Temperaturschwan­kungen zu sehen, so ist sie vor allem noch nach einer andern Richtung hin von gesundheitlichem Wert. Die Maximal­temperaturen im Schutzgebiet überschreiten zwar auch in den heißesten Monaten nicht die Grenzen, die wir auch bei uns in Mitteleuropa an sehr warmen Sommertagen be­obachten. Aber sie pflegen an sehr vielen Tagen eine Höhe zu erreichen, die bei uns schon als abnorm gilt. Wenn trotzdem jene Hitzegrade nicht nur uicht als unerträgliche Wärme­wirkung empfunden werden, ja wenn sie meist nicht einmal den unangenehmen Eindruck hervorrufen, den jeder schwüle Sommertag selbst bei mäßiger Temperatur auf uns macht, so ist das eben die Folge der Lufttrockenheit. Die durch sie unterhaltene äußerst lebhafte Verdunstung täuscht unser Gefühl vollständig über die wahre Höhe der Temperatur, und kaum jemals wird man von einem im Schatten sich auf­haltenden Europäer in Südwestafrika ähnliche Klagen über die Höhe der Temperatur vernehmen, wie man sie bei uns nur zu häufig anhören muß, wenn wir uns durch die schwere, feuchte Luft eines deutschen Sommertages selbst im Zustande körperlicher Ruhe bedrückt fühlen.

Wie groß die wärmeentziehende Kraft dieser Verdunstung ist, vermag man am besten zu beurteilen, wenn man bemerkt, wie das in porösen Leinensäckchen aufbewahrte Trinkwasser bis auf 15° unter die Lufttemperatur gekühlt werden kann,