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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
Seite
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Kolonisation des deutschen Ostens.

war die Grenze seines Volkstums durch eine Linie bezeichnet, die vom Kieler Hafen die Swentine entlang nach Bismarcks Sachsenwald lief, von dort die Elbe hinauf bis zur Saale­mündung, diesen Fluß aufwärts bis zum Einlauf der Schwärzn, dann hinüber übers Gebirge in die Bamberger Gegend und weiter zum Böhmerwalde, an diesem entlang zur Donau und südwestlich über die Tauern ins Pustertal, da wo die Gewässer der Etsch und der Drau sich scheiden. Alles, was von Deutschen heutigen Tages östlich dieser Linie wohnt, und das ist fast die Hälfte der geschlossen zusammensitzenden, für die preußische Monarchie die volle Hälfte, verdankt seine Heimat der Kolonisation des Mit­telalters.

1K. Kolonisation des deutschen Ostens.

Es ist eine Entwicklung, die in der Karolingerzeit beginnt und in den Tagen Karls IV. ihren Abschluß findet, ihren Höhepunkt aber im 12. und 13. Jahrhundert erreicht. Sie wird eröffnet durch die Bayern, die seit dem 9. und 10. Jahr­hundert die Grenzen ihres Herzogtums donauabwärts und im Alpengebiet in den Tälern der Drau, Mur und Enns vor­schieben und besonders den sogenannten karantanischen Slaven christianisierend und germanisierend Land abgewin­nen. Sie sind es auch, die gleichzeitig und später süd­wärts im Jnn- und Etschgebiet gegen Rätier und Ita­liener das Deutschtum mehren und stärken. Franken treten neben ihnen auf.

Die sächsischen Kaiser haben ihre slavischen Nachbarn von den Moldauquelleu bis zur Ostsee in Abhängigkeit vom Reiche gebracht und ihnen eine Mark- und Episkopalverfassung ge­geben; mit der Kolonisation hat man zu ihrer Zeit nur be­gonnen von der Saale gegen die Elster und Mulde hin. Erst als in den westlichen Gebieten des Reichs, besonders in den