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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
Entstehung
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Das Mittelalter. Germanentum, Christentum. 27

Orient und Okzident sich scheiden. Thrakien ward hellenisiert, Mösien und Dakien romanisiert. Am Adriatischen Meer son­derte sich das Lateinische vom Griechischen in der Gegend von Scodra (Skutari), also unweit der gegenwärtigen albanesisch- montenegrinischen Grenze. Es erwuchs der italisch - helle- itische Staat, der als Orbis Komsnus eine größere Zahl von Ländern und Völkern zu politischer und kultureller Einheit verschmolz, als je zuvor oder auch nachher sich zusammen­gefunden haben, und der für weltgeschichtliche Entwicklung eine Bedeutung gewonnen hat wie kein zweiter.

II. Abschnitt.

Das Mittelalter.

13. Germanentum, Christentum.

Was wir seit der Humanistenzeit Mittelalter (ineckia ssws) nennen, entwickelte sich durch den Eintritt zweier mächtiger Faktoren in das römische Kulturgebiet, des Volkstums der Germanen und der christlichen Religion. Die neue Lehre verbreitete sich rasch und weit. Man kann das Bestehen eines Reiches, wie es das römische war, mit seiner einheitlichen Kultur und der anerkannten Herrschaft zweier hoch ent­wickelter Sprachen, geradezu als eine unerläßliche Vorbe­dingung bezeichnen für die schnelle Verbreitung des christ­lichen Glaubens.

Die Germanen mußten ein halbes Jahrtausend an die Tore des Reiches pochen. Als sie endlich Einlaß erzwängen, konnten sie doch nur Randgebiete von ihm zu dauerndem Be­sitz gewinnen. Diesseits von Rhein und Donau hatten sie schon den Kelten Land abgenommen; jenseits der beiden Ströme stellen die Gebiete, die sie dauernd ihrer Sprache und Stammesart gewannen, nur einen geringen Bruchteil dar