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Kolonialgeschichte / von Dietrich Schäfer
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Kolonisation als Geschichtsfaktor.

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darum zu tun ist, seinen Angehörigen in der Fremde neue Wohnsitze zu verschaffen, oder wo diese selbst sich dort neuen Boden oder ein neues Feld für ihre Tätigkeit suchen mit der Absicht, auch draußen ihre volle nationale und politische Selbständigkeit, sei es im Anschluß an die Heimat oder durch eigene Kraft, zu behaupten, findet ein Kolonisieren statt, das geschichtlicher Betrachtung ein Bild weltbewegender Ent­wickelung bietet.

2. Kolonisation als Geschichtsfaktor.

Ranke bemerkt, daß der Fortschritt der Geschichte sich decke mit der räumlichen Ausdehnung ihres Schauplatzes. Unter diesem Gesichtspunkte betrachtet, hat Kolonisation weitaus am meisten beigetragen zum geschichtlichen Fort­schritt. Die frühesten Wohnsitze der Menschen, soweit wir sie erkennen können, und die ältesten Stätten menschlicher Kultur sind durch kolonisierende Eroberung erweitert wor­den über ihre ursprünglichen Grenzen hinaus. Von den fruchtbaren Geländen des Nil, des Euphrat und Tigris, des Indus und Ganges, des Hoangho habeil die dort zuerst entwickelten Kulturen ihre Herrschaft kolonisierend aus­gebreitet über die Nachbargebiete und größere Kreise in ihren Bereich gezogen. Phöniker, Griechen und Römer haben neben- und nacheinander durch kolonisatorische Tätig­keit die Mittelmeerländer in ihrer weitesten Ausdehnung zu einer staatlichen und kulturellen Einheit verwoben; in dem gewaltigen römischen Reiche, das sür den Fortschritt der Ge­schichte zu erhöhter, zu universaler Bedeutung von so uner­meßlicher Wichtigkeit geworden ist, fand sie ihren Abschluß. Seitdem des Menschen Blick gelernt hat, das gesamte Erden­rund zu umfassen, haben die europäischen Völker Staunens­wertes geleistet, die Menschheit zusammenhängender, ein­heitlicher Entwickelung entgegenznführen, durch keine Be-