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haben wir noch einige statistische Übersichten nach den im Laufe der Zeit erschienenen Eegierungsdenkschriften zusammengestellt, die wir zum Schlüsse beifügen.
Die Zahlen der Ein- und Ausfuhr zeigen in den Jahren 1904—1906, in der Ausfuhr auch noch 1907 die Einwirkungen des Krieges, der ganz abnorme wirtschaftliche Verhältnisse mit sich brachte. Nicht wenige waren der Ansicht, daß nach Beendigung des Aufstandes, der so verheerend gewirkt hatte, ein wirtschaftlicher Zusammenbruch im Lande erfolgen müsse, und es darf als ein gutes Zeichen für die der Kolonie innewohnenden wirtschaftlichen Kräfte angesehen werden, daß es gelang, ohne Krisis und in kurzer Zeit wieder zu normalen Zuständen zurückzukehren. Die Kupfer- und dann die Diamantenausfuhr beeinflussen jetzt die Höhe der Ausfuhrziffern. Bei Betrachtung dieser Zahlen ist nicht zu vergessen, daß in ihnen sich nur die Exportproduktion ausdrückt, während die Konsumproduktion nicht zu erkennen ist, da eine Binnenverkehrs- oder Produktionsstatistik nicht existiert. In der Einfuhr bildet der Bedarf für die Eisenbahnbauten einen wichtigen Faktor.
Die eigenen Einnahmen des Schutzgebietes erhöhten sich im Jahre 1907 fast um das doppelte gegen das Vorjahr, was wohl in der Hauptsache auf den inzwischen aufgenommenen Betrieb der Otavi-Bahn zurückzuführen ist. Das weitere Anschwellen in den Jahren 1909 und 1910 ist mit der Diamantenausfuhr begründet. Die Steigerung der Einnahmen aus Steuern und aus sonstigen Abgaben, besonders für Landverkäufe, ist in erster Linie auf den Bau der Eisenbahnen zurückzuführen, die die entfernteren Landstriche enger an das Verwaltungszentrum heranziehen und durch die Erschließung der Gegend Ansiedler und in ihrem Gefolge Arbeiter, Händler, Kaufleute usw. hereinbringen. Auch die Einnahmen aus dem Eisenbahnbetrieb selbst haben eine erhebliche Steigerung erfahren.
Der Zuschuß, den das Mutterland für die Militärlasten gewähren muß, ist seit dem Aufstand sichtlich im Sinken begriffen, was wiederum Verdienst der Eisenbahnen ist, die eine Verminderung der Truppe gestatten, da durch sie die strategische Basis eine weit günstigere wird.