Vierter Teil.
Methoden zur geographischen Ortsbestimmung-.
Als im elften Jahrhundert die Normannen weite Strecken des Atlantischen Ozeans durchfuhren, navigierten sie nach den Sternen, aher noch ohne Instrumente; sie halfen sich dabei auf sinnreiche und einfache Weise. Sobald die Fahrtrichtung unsicher ■wurde, ließen sie von ihren Wikingerschiffen pfadfindende Yögel, z. B. Raben oder Tauben, aufsteigen, die schnell in Höhen von vielen Kilometern emporflogen und bei der im Horizont verbergend, in großen Höhen aber enthüllend wirkenden Erdkrümmung ferne Küstenstriche erblicken konnten. Dem landwärts gerichteten Fluge dieser Lotsen in der Luft folgten die Schiffe und erreichten in Etappen von Insel zu Insel bereits damals die Küste Nordamerikas.
Als vier Jahrhunderte später Kolumbus die Neue Welt wieder entdeckte, kannte und benutzte er schon die Grundlehren astronomischer Nautik, welche von den Arabern zu hoher Blüte gebracht waren; der große Seefahrer navigierte bereits nach astronomischen Beobachtungen unter Anwendung von Astrolabien, wie sie schon Ptolemäus gehandhabt hatte, und mit Benutzung des Jakobstabes, eines zweischenkligen Winkelmeßinstruments, das, von Regiomontan (Johannes Müller) konstruiert, als Vorläufer des Sextanten angesehen werden kann. Die Genauigkeit, welche Kolumbus bei seinen Ortsbestimmungen erzielte, betrug in Breite etwa 30' oder in linearem Maße auf der Erdoberfläche (s. S. 30) 55 km; in Länge war die Unsicherheit wesentlich größer.
Als nach weiteren 240 Jahren, also im 18. Jahrhundert, die ersten zuverlässigeren Marinechronometer von Harrison konstruiert wurden und der Sextant mit Spiegelvorrichtung von Hadley in