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ihn hier nicht entnationalisieren, denn seine Umgebung ist keine russische, er soll ein Gegengewicht bilden gegen die immer noch nicht ( russifizierten Polen, in die er ja nicht aufgehen darf, er würde ja die Reiben der Russenfeinde verstärken. Das Polentuni mag hier durch das Deutschtum im Schach gehalten werden, bis Zeit und Gelegenheit kommen, beide abzuthun.
Im Königreich Polen.
Die Veranlassung zur Einwanderung deutscher Kolonisten mich Polen gaben die Verwüstung und Entvölkerung, welche die Einfälle der Mongolen über diese Striche gebracht hatten. Die Fürsten, Bischöfe und namentlich die Klöster, welche Ansiedler aus Deutschland herbeiriefen, sicherten denselben grosse Privilegien, darunter das Recht der Selbstverwaltung und der Wahl ihrer eigenen Schulzen. Die deutschen Kolonisten gründeten mehrere Städte und legten ihrer Munizipalregierung das Magdeburger Recht zu Grunde, standen doch die Magdeburger Erzbischöfe einst an der Spitze der polnischen Kirche. Obschon dies Recht den Kommunen eine völlige administrative Unabhängigkeit gewährte, so hinderte dies die Städter ebensowenig daran, sich zu polonisieren, als die Landbewohner. Im vierzehnten Jahrhundert waren mehrere hundert „Schwaben" in Polen angesiedelt, aber diese frühesten germanischen Elemente sind vollständig von dem sie umgebenden Polentuni aufgesaugt worden. Von 2000 protestantischen Gemeinden, welche es noch im sechzehnten Jahrhundert hier gab. be-
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standen 1775 nur noch zwei. Die übrigen hatten mit der katholischen Religion auch die polnische Nationalität angenommen. Die jetzt als Deutsche gezählten sind seit einem Jahrhundert hierher gekommen und sie sind, mit Ausnahme von etwa 10 000, sämtlich Protestanten.
Die Zahl aller Deutschen in dem heute als Königreich Polen bekannten Gebiet d. h. in den Gouvernements Warschau,