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Deutsche Kolonien : ein Beitrag zur besseren Kentniss des Lebens und Wirkens unserer Landsleute in allen Erdteilen / von Karl Emil Jung
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früher gewesen war: die Hüterin protestantisch-deutscher Bildung und Wissenschaft an der Ostsee.

Leider sollte, diese Ära glücklichen Gedeihens mit dem Ableben des erhabenen Schützers der Universität ihr Ende finden. Unter Alexander III. hat sich, begünstigt von seinem Minister Ignatieff, eine Partei erhoben, welche die Dorpater Universität und mit ihr die immer noch durch deutsche Kultur getragenen Provinzen völlig russifizieren möchte. Des­halb wurden Esthen und Letten gegen die Deutschen auf­gehetzt, damit sie, welche die Majorität der Bevölkerung bilden, die Verdrängung der deutschen Sprache bei den Be­hörden und Gerichten verlangten, nicht etwa damit sie ihrer eigenen Sprache Platz mache, damit vielmehr die russische Sprache an ihrer Stelle eingeführt werde. Wohl würde die Russifizierung der Provinzen auch die Esthen und Letten ihrer Nationalität berauben, aber in ihrem blinden Hasse gegen alles Deutsche sehen sie diese notwendig eintretende Eventualität nicht und arbeiten der slavischen Propaganda eifrigst in die Hände.

Die deutschen Herren.

Der bittere Hass der eingeborenen Völkerschaften gegen die deutschen Eroberer ist nicht unverdient. Bis die Leib­eigenschaft endlich aufgehoben und den Gutsherren das Recht über Leib und Leben entzogen wurde, war das Los der Unterworfenen das traurigste.

Das ganze Land war mit Ausnahme des wenigen, was die Städte in ihrer Nachbarschaft besassen, in viele grosse und kleine Grundherrschaften geteilt.*) Solcher Grundherr­schaften oder .Gebiete", wie man hierzulande sagt, gab es 2500, ein jedes im Durchschnitt 2 / 3 Quadratmeile gross mit

*) Die mittlere Grösse der adeligen Güter beträgt in Kurland 3933, in Livland 3853, in Esthland 3398 Hektar.