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Deutsche Kolonien : ein Beitrag zur besseren Kentniss des Lebens und Wirkens unserer Landsleute in allen Erdteilen / von Karl Emil Jung
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Die Zahl der Deutschen, ihre Verbreitung und Zukunft.

Eine Beantwortimg der Frage: wieviele Deutsche be­finden sich auf amerikanischem Boden? bietet mancherlei unlösbare Schwierigkeiten. Die offizielle Statistik berück­sichtigt nur die eingewanderten, in Deutschland geborenen, sie zählt die ihnen auf amerikanischem Boden erwachsenen Kinder und Kindeskinder als Amerikaner, gleichviel ob sie ihrer vaterländischen Sprache und Sitte treugeblieben sind oder sieh den englischredenden Bewohnern der Adoptivheimat angeschlossen haben. Der Census von 1880 giebt die Zahl der in Deutschland Geborenen auf 1 966 742 Seelen an: damit wäre aber nur ein sehr kleiner Teil unserer Landsleute als solche gerechnet.

Es ist sehr schwer, dieselben zu erkennen. Es giebt Deutsche genug in den Vereinigten Staaten, welche alsan­gestrichene Yankees*' sich ihrer Herkunft in thörichter Ein-

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falt schämen, es giebt aber auch solche, deren Namen zwar völlig anglisiert wurden, die aber dennoch in Wesen und

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Sprache treue Anhänger ihrer Nationalität geblieben sind.

In Pennsylvanien führen viele der Familien, welche der Einwanderung des verflossenen Jahrhunderts angehören, eng­lische Namen trotz ihres zähen Festhaltens am Deutschtum. Die Zimmermann sind Carpenter geworden, die Braun Brown, die Löwenstein Livingstone u. s. f. Das erscheint befremdlich. Mut diese ""Anglisierung ist nur eine äusserliche, die

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nicht über den Namen hinausgeht; sie war auch keine frei­willige, denn die Regierung von Penn und dessen Nach­kommen bestand darauf, dass die deutschen Ansiedler ihre Namen ins Englische übersetzten, wenn sie Besitztitel für ihr ländliches Eigentum erwerben wollten. Freilich ist der äussere Übertritt und auch der innere hier, noch mehr aber anderwärts, auch ohne solchen Zwang vor sich gegangen.