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Deutsche Kolonien : ein Beitrag zur besseren Kentniss des Lebens und Wirkens unserer Landsleute in allen Erdteilen / von Karl Emil Jung
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Die Deutschen in Nordamerika.

Die nördliche Hälfte des langgestreckten amerikanischen Kontinents zeigt hinsichtlich ihrer klimatischen Verhältnisse und damit auch ihrer Fähigkeit für die Aufnahme von Ko­lonisten die grÖssten Verschiedenheiten. Wird doch, der Süden von dem Wendekreis des Krebses durchzogen, während sich der Norden in ewigen Schnee- und Eisfeldern zum Pole hin ausbreitet. Es ist ein ungeheures Gebiet, in wel­chem der kleine europäische Erdteil mehrmals Platz finden könnte, von dem wir aber beträchtliche Abzüge zu machen haben, prüfen wir dasselbe auf seine Kulturfähigkeit und Be­wohnbarkeit Irin. Denn viel weniger weit nach Norden als in unserem Erdteil greift hier die Linie der Isothermen. Das von Eis starrende Boothia Felix, an dessen Westküste Frank­lin mit seinen Gefährten elend verschmachtete, liegt in der­selben Breite mit dem nördlichen Norwegen, an dessen Küste noch Ackerbau getrieben werden kann, und der Lage des unwirt­lichen Labrador entspricht in Europa die von Grossbritannien; Boston in gleicher Breite mit Rom hat ein Klima wie das nordwestliche Deutschland. Machen wir von der Ostküste eine Wanderung durch das Innere zu den westlichen Ge­staden des pazifischen Ozeans, so begegnen wir den schärfsten klimatischen Kontrasten. Hohe Gebirge und weite Niede­rungen, dichte Waldungen und rollende Prärien, Thalgründe von unerschöpflicher Fruchtbarkeit und abschreckende Wüsten