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Deutsche Kolonien : ein Beitrag zur besseren Kentniss des Lebens und Wirkens unserer Landsleute in allen Erdteilen / von Karl Emil Jung
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Die Deutsche Presse.

In ganz anderem Maasse, als dies in unserm Vater­lande, in Europa überhaupt der Fall ist, repräsentiert die amerikanische Presse die herrschende öffentliche Meinung und bildet sie. Bei dem ausserordentlich regen politischen Leben ist das Bedürfhiss nach publizistischer Lektüre auch weit grösser als bei uns, wo sich die Staatsmaschine in ruhigeren und geregelteren Formen bewegt. Dass eine Pflege dieses Gebietes unbedingt geboten sei, sollten die Deutschen sich nicht selber untreu werden, das erkannten seine Führer schon früh, und so wurde denn bereits 1739 in der Wiege des amerikanischen Deutschtums, in Pennsylvanien, zu einer Zeit, da die amerikanischen Kolonieen überhaupt nur fünf Zeitungen besassen, die erste deutsche Zeitung publiziert, welche am 20. August jenes Jahres ihre Erscheinung machte. Der anfängliche, etwas lange und unbequeme Titel:Der hochdeutsche Pennsylvanische Geschichtschreiber oder Samm­lung wichtiger Nachrichten aus dem Natur- und Kirchen- recht", machte bald dem kürzeren und handlicheren:Der Berichter" Platz; das Blatt erschien erst halbjährlich, dann monatlich, später halbmonatlich und endlich seit 1745 wöchent­lich und nun alsGerinantowner Zeitung". Andere traten im Laufe der Jahre hinzu, sodass Pennsylvanien 1762 bereits fünf deutsche Blätter zählte. Von den im vorigen Jahrhundert dort gegründeten deutschen Zeitungen bestehen heut aber nur noch zwei.

Alle diese Publikationen waren wöchentliche. Tägliche Journale bildeten selbst noch im Anfang dieses Jahrhunderts eine Seltenheit; die 1818 in Philadelphia, Reading, Easton und anderen pennsylvamschen Städten erscheinenden 25 deut­schen Zeitungen waren sämtlich Wochenblätter. Wenige von diesen wurden in hochdeutscher Sprache verfasst und was