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sechshundert Einwohner zählend, macht der romantisch gelesene Ort mit seinem Kirchturm und den roten Ziegeldächern
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der von blühenden Gärten umgebenen Häuser ganz den Eindruck eines behäbigen deutschen Dorfes.
Die neue Zeit.
Deutschland befand sich nach den Befreiungskriegen in dem Zustande grösster Ermattung. Die langen Jahre französischer Gewaltherrschaft und die fast übermenschlichen Anstrengungen, deren es bedurfte, das fremde Joch abzuschütteln, hatten seine Bevölkerung decimiert und seine wirtschaftlichen Kräfte erschöpft, sie hatten aber auch das schon früher erweckte Nationalgefühl zu neuer, kräftiger Flamme angefacht. Der Wunsch, dies nun von so vielen Barden
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hochgepriesene Land zu verlassen, bestand nicht mehr wie früher.
Da kam jene Periode der Kollisionen zwischen Regierern und Regierten, welche mit dem Wartburgfest und den Karlsbader Beschlüssen beginnend und mit dem Hambacher Fest, dem Frankfurter Attentat und den Ministerkonferenzen zu Wien endigend, eine grosse Anzahl zum Teil völlig schuldloser, zum Teil von schwärmerischer Begeisterung irregeleiteter Personen in die Kasematten deutscher Festungen konsignierte, wenn es ihnen nicht gelang, sich diesem Schicksale durch die Flucht zu entziehen. Diesen traurigen Vorgängen und ihren Nachwirkungen verdankt Amerika einen grossen Teil der besten Kräfte, welche es jemals aus Deutschland bezog.
Das Jahr 1848 weckte noch einmal das Verlangen nach Staatsformen, in welchen die Stimme der Nation einen entscheidenden Einfluss hat. Und wiederum kam nach den revolutionären Bewegungen der Rückschlag und von neuem