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Deutsche Kolonien : ein Beitrag zur besseren Kentniss des Lebens und Wirkens unserer Landsleute in allen Erdteilen / von Karl Emil Jung
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sechshundert Einwohner zählend, macht der romantisch ge­lesene Ort mit seinem Kirchturm und den roten Ziegeldächern

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der von blühenden Gärten umgebenen Häuser ganz den Ein­druck eines behäbigen deutschen Dorfes.

Die neue Zeit.

Deutschland befand sich nach den Befreiungskriegen in dem Zustande grösster Ermattung. Die langen Jahre fran­zösischer Gewaltherrschaft und die fast übermenschlichen Anstrengungen, deren es bedurfte, das fremde Joch abzu­schütteln, hatten seine Bevölkerung decimiert und seine wirt­schaftlichen Kräfte erschöpft, sie hatten aber auch das schon früher erweckte Nationalgefühl zu neuer, kräftiger Flamme angefacht. Der Wunsch, dies nun von so vielen Barden

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hochgepriesene Land zu verlassen, bestand nicht mehr wie früher.

Da kam jene Periode der Kollisionen zwischen Regierern und Regierten, welche mit dem Wartburgfest und den Karls­bader Beschlüssen beginnend und mit dem Hambacher Fest, dem Frankfurter Attentat und den Ministerkonferenzen zu Wien endigend, eine grosse Anzahl zum Teil völlig schuld­loser, zum Teil von schwärmerischer Begeisterung irregelei­teter Personen in die Kasematten deutscher Festungen kon­signierte, wenn es ihnen nicht gelang, sich diesem Schick­sale durch die Flucht zu entziehen. Diesen traurigen Vor­gängen und ihren Nachwirkungen verdankt Amerika einen grossen Teil der besten Kräfte, welche es jemals aus Deutsch­land bezog.

Das Jahr 1848 weckte noch einmal das Verlangen nach Staatsformen, in welchen die Stimme der Nation einen ent­scheidenden Einfluss hat. Und wiederum kam nach den re­volutionären Bewegungen der Rückschlag und von neuem