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Deutschlands Interessen in Ostasien : Als Manuskript gedruckt / [Adolf Bastian]
Entstehung
Seite
43
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Indem die, viele der wichtigsten Nationalinteressen berührende Frage über die Erwerbimg einer deutschen Flottenstation und die dafür in Ostasien geeigneten Plätze neuerdings wieder Gegenstand der Erörterung geworden, indess nicht immer mit genügender Sachkennlniss und Einhaltung der rich­tigen Gesichtspunkte besprochen scheint, so sind aus der hiesigen Gesell­schaft für Erdkunde einige, mit Ostasien und den dortigen Handelsverhält- nissen durch persönliche Anwesenheit oder durch ihre Studien und sonstige Beziehungen vertraute, Mitglieder derselben zusammengetreten, um die leitenden Grundzüge festzustellen, die in der Hauptsache als Basis für eine derartige Untersuchung dienen müssen.

Im Werthumsatze des Welthandels fallen einige der höchsten Ziffern in denjenigen Verkehr, der zwischen Europa und Ostasien, besonders China und seinen Nebenländern, besteht.

Deutschland ist an diesem Weltverkehr bereits in sehr ansehnlicher Weise betheiligt. Die Zahl der deutschen Kaufleute zu den englischen, die in Folge der augenblicklichen Weltlage dort nothwendig die erste Rolle spielen, verhält "sich ungefähr wie 1 :3, übertrifft aber die aller übrigen Nationen. In ungefähr demselben "Verhältniss steht die Zahl der deutschen Schiffe zu den englischen, was die grossen Fahrten betrifft; wogegen die Küsten - Schifffahrt ziemlich f ausschliesslich durch deutsche Schiffe ver­sehen wird.

Der schon jetzt so bedeutende Handel Europa's mit Ostasien, dessen jährlicher Werthumsatz auf beiläufig 100 Millionen Pfd. Sterling 1 ) berechnet wird, muss sich voraussichtlich in den nächsten Jahrzehnten in noch un­übersehbarer Proportion vergrössern, indem China, so bald die auf Eisen­bahnen und Telegraphen herbeigeführten Einflüsse des europäischen Zeit­geistes dort die nationalen Yorurtheile (wie bereits in Indien die Kasten­schranken) gelockert haben werden, für die europäischen Fabrikate einen ungeheueren Absatzmarkt eröffnen muss, auf dem seine nach Myriaden zählenden Bewohner als Consumenten eintreten, und so die bisher wegen überwiegender Ausfuhr verhältnissmässig ungünstige Bilanz des chinesischen