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Im dichten Pori : Reise- und Jagdbilder aus Deutsch-Ostafrika / von Margarethe v. Eckenbrecher
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Tendaguru

Brautwerber spielen, Medizinen eingeben, Wunden verbinden und Elefanten und Löwen wegschießen. All diese Bitten ge­schehen im unbedingten Vertrauen.

So kam auch ein Kerl zu dem Doktor auf Tendaguru und sagte:Meine Frau ist mir weggelaufen. Schreib ihr für mich einen Brief."Kannst Du schon nicht schreiben, wird denn Deine Frau lesen können?"Nein, das kann sie nicht, aber das macht nichts. Wenn nur ein Brief an sie kommt, das wird schon helfen!" Und es half tatsächlich.

Wir hatten einen ziemlich steilen Abstieg. Überall am Wege verstreut fanden sich Knochenteile der vorweltlichen Tiere. Eine fabelhaft große Ausbeute und viel Arbeit harren noch der beiden Forscher.

Nach zweistündigem Marsche ward die Gegend kultivierter. Der Bambus und die Baumsteppe hörten auf. Wir kamen durch Schamben der Mueraleute, die genau wie die Wa- donde Bohnen, Mais, Bananen und Mohogo bauen. Auf jeder Schamba erhob sich ein auf hohen Pfählen erbautes Häus­chen. Darin kampieren die Leute, die gezwungen sind, nachts auf der Schamba zu bleiben. Die Hütten sind so hoch gebaut, um Schutz gegen die Löwen zu bieten, die in dieser Gegend zeitweilig zur wirklichen Plage werden. Meist sind es die alten Löwen, die nicht mehr schnell genug sind, um das Wild zu überfallen und dann unter den Menschen ihre Beute suchen. Fast in jedem Dorf, wohin man kommt, erfährt man eine Löwengeschichte. Auf die genaue Wahrheit hin kann sie in den wenigsten Fällen untersucht werden.

Beim Abstieg von Tendaguru hörten wir folgende: Ein Löwe brach in eine Schamba ein, in der zwei Frauen mit ihren Kindern arbeiteten. Er überfiel ein Kind und ging damit ab. Die erschreckten Weiber ergriffen ihre Hacken und schlugen damit

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