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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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Deutsche Kolonien.

es ermöglichen können, die Güter von Bambili in verhältnismäßig kurzer Zeit nach Njangora zu schaffen.

Neuerdings ist ferner vom Kongostaat ein Ingenieur beauftragt worden, die Trasse einer Automobilstraße zu prüfen, die den Kongo mit dem Tanganika verbinden soll. Nach den Plänen soll die Straße von Kasango ausgehen und den Tanganika bei Baraka er­reichen, indem sie zwischen der gebirgigen Gegend im Norden des Luamaflusses und den Sumpfgebieten dieses Flusses hindurch­führt. Nachdem nun einmal der Anlauf genommen und Erfahrung gewonnen ist, wird der Bau von Automobilstraßen systematisch fortgesetzt werden.

Dr. Heinz Roß in Antwerpen, ein rühriger Spezialist auf dem Gebiet der vorliegenden Frage, konnte in seinen Betrachtungen über den offiziellen Bericht der Automobilabteilung des Kongostaates mit Recht betonen, daß die endgültige praktische Verwertung von Motorfahrzeugen im Kongostaat und ganz speziell im tiefen Innern des Landes, vom menschlichen Standpunkte aus betrachtet, als ein Fortschritt zu bezeichnen ist, der die größte Aufmerksamkeit und rückhaltlose Anerkennung verdient. Denn man mag sagen, was man will, die Zeiten, wo man diesen Bestrebungen pessimistisch gegenüberstand, sind längst vorüber, und der Augenblick, wo man die schwierige Frage des Verkehrs in den tropischen Kolonien prak­tisch lösen wird, steht nahe bevor. Vorläufig wird man ja immer noch während einer gewissen Zeit mit den großen Schwierigkeiten zu rechnen haben, die die Beförderung von Dampfwagen bis tief in das Innere des Ladodistrikts notgedrungen mit sich bringt. Es ist zu hoffen, daß sich die Ergebnisse, die in den ersten drei Betriebs­monaten schon über die Maßen günstig waren, auch weiterhin noch günstiger gestalten werden, auf daß man über kurz oder lang ernstlich daran denken kann, im Kongostaat einen regelmäßigen, ausgedehnten Automobilverkehr einzurichten. Dann wird man sagen können, daß die Zivilisation in den tropischen Kolonien einen ge­waltigen Fortschritt zu verzeichnen hat.

Auf deutscher Seite befinden sich die Automobilversuche in den Kolonien immer noch in ihren Anfängen. In Deutsch-Südwestafrika hat der im Mai 1906 in Swakopmund gelandete 28 PS-Personen­kraftwagen von Benz in Mannheim bis Ende März 1907 etwa 110C0 km zurückgelegt und sich so bewährt, daß weitere drei Personenkraftwagen in Dienst gestellt werden sollen. Die bis jetzt bei schlechten Wegeverhältnissen erreichte Durchschnittsgeschwin­digkeit von 23 km in der Stunde wird mit den zu erwartenden Wagen