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Afrikanische Verkehrspolitik : unter Benutzung amtlichen und anderen Materials / von Arthur Dix
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Bemerkenswert ist, daß im allgemeinen die deutschen Bahnen am billigsten gebaut sind; so ist die Otavibahn nicht nur die längste Schmalspurbahn der Welt, sondern zugleich auch die am schnellsten und trotzdem am billigsten gebaute Kolonialbahn. Mit der Meter­spur ist unter allen afrikanischen Bahnen die Togobahn mit rund 25000 Mark pro Kilometer am billigsten gebaut, und mit der Kap­spur die Lüderitzbuchtbahn, die etwas über das Doppelte pro Kilo­meter erforderte.

Über die Tarife sei in Ergänzung des oben speziell für Deutsch- Südwestafrika Mitgeteilten noch erwähnt: Zum Vergleich der Kosten der Personenbeförderung in Deutschland und auf den verschiedenen Bahnen in Deutsch-Afrika dienen folgende Sätze: Der Einheitssatz der Staatsbahnen in Deutschland ist seit der Personentarifreform für die erste Klasse 7,0, für die zweite 4,5, für die dritte 3,0 und für die vierte Klasse 2,0 Pfg. Auf der südwestafrikanischen Eisen­bahn SwakopmundKaribib betragen die Sätze für die drei Wagen­klassen 10,6 und 4 Pfg.; mit der Pferdekarre dagegen kostete vor Eröffnung der Bahn die Beförderung von Swakopmund bis Windhuk 120 Mk., d. h. auf den Personenkilometer 33 1 /;, Pfg. Die Sätze auf der Togobahn für die drei Wagenklassen sind 25, 15 und 2 Pfg. Für die Usambarabahn mit nur 2 Wagenklassen betragen die Tarife 6 und 1 Pfg. pro Kilometer. Auf der britischen Ugandabahn werden 32, 516, 9 und 2,7 Pfg. erhoben, auf der Kongobahn für die beiden Klassen 100 bzw. 10 Pfg. Die Kosten der Güterbeförderung von 1 Tonnenkm werden auf der preußischen Staatsbahn bei Stückgut nach dem Einheitssatz von 11 Pfg. berechnet. In Ostafrika stellt sich der Einheitssatz für den Tonnenkm bei der Beförderung durch Träger auf 230 Pfg. In Togo auf 167 Pfg. Dagegen werden bei der Usambarabahn nur Sätze von 840 Pfg. pro Tonnenkm erhoben. In Südwestafrika erforderte der Ochsenwagentransport 88 bis 155 Pfg. pro Tonnenkm, auf der Eisenbahn SwakopmundKaribib dagegen bezifferten sich die Sätze auf 1240 Pfg. Auf der Togo­bahn schwanken sie zwischen 10 und 75 Pfg., auf der Kongobahn zwischen 20 und 200 Pfg.

Was die Eigentums- und Betriebsverhältnisse anbetrifft, so ist Eigentums­mehr als die Hälfte aller afrikanischen Bahnen im eigenen Unter- "v^rhättnisse" nehmen der Kolonie, mehr als ein Drittel entfällt auf Privatunter­nehmungen, der Rest auf Staatsunternehmungen des Mutterlandes. Die Zukunft gehört allem Anschein nach den Eisenbahnen im eigenen Betrieb der Kolonien, wogegen Staatsunternehmungen des Mutter­landes im großen und ganzen nur dort zur Anwendung gekommen