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Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
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XXII. Kapitel.

[Westafrika. Der Weiße verkehrt mit dem Schwarzen in der Mehr­zahl der Fälle in der holländischen oder in der eingeborenen Sprache. Besonders die Suhl-, daneben auch die Betschuanensprache ist bei den Weißen sehr verbreitet.

XXII. Kapitel.

Allgemeiner Überblick über die Kulturverhält­nisse Afrikas.

Zur Beurteilung der kulturellen Verhältnisse eines Volkes ist naturgemäß in erster Linie das Studium des gegenwärtigen Kultur­besitzes notwendig, d. h. der Kulturgeräte, der Wirtschaftsform, der Sitten und Gebräuche, der sozialen und staatlichen Einrich­tungen. Nicht weniger wichtig ist das Studium der Vergangenheit bei dem Streben, die Entwickelungsgeschichte und Herkunft der Kultur festzustellen. Mündliche und schriftliche Ueberlieferungen, sowie prähistorische Funde sind die Quellen solcher Forschung.

Für Südafrika fallen schriftliche Quellen, soweit sie sich nicht auf die drei letzten Jahrhunderte beziehen, fort. Von mündlichen Ueberlieferungen ist auch nicht viel vorhanden und prähistorische Funde sind ebenfalls nur spärlich. Da ist man denn gezwungen, den heutigen Kulturbesitz der Völker Afrikas untereinander und mit dem der anderen Kontinente zu vergleichen. Auf diese Weise ge­lingt es, verwandte Kulturen herauszufinden, wenn eine größere Anzahl von Kulturgeräten oder Einrichtungen in verschiedenen Gegenden übereinstimmt. Allerdings muß man bei solchen Schlüssen außerordentlich vorsichtig sein, denn der Fallstricke gibt es viele. Einmal können aus praktischem Bedürfnis heraus dieselben Dinge von verschiedenen Völkern erfunden werden, sodann aber bleibt der Kulturbesitz eines Volkes nicht unverändert, indem neue Dinge aufgenommen, alte vergessen werden. Nimmt ein Volk unter irgend welchen Umständen den Kulturbesitz eines fremden Volkes an, so geschieht das meist in der Form, daß nur einzelne Sachen aufgenommen werden und manche solcher Geräte, die Eingang finden, treten dann weite Wanderungen an. Auf solchen Wan­derungen einzelner Kulturgeräte, die von Hand zu Hand, von Stamm zu Stamm gehen, oder bei den Wanderungen ganzer Völker, die ihren Kulturbesitz mitnehmen, ist es unausbleiblich, daß sich die Kulturgeräte ändern, sobald die Völker nämlich in Gegenden geraten, in denen das Material ein anderes wird. Z. B. aus tropischen Wald-