Druckschrift 
Südafrika : eine Landes-, Volks- und Wirtschaftskunde ; mit 47 Abb. auf Taf., 34 Karten u. zahlr. Profilen / von Siegfried Passarge
Entstehung
Seite
78
Einzelbild herunterladen
 

7 8 VIII. Kapitel.

an manchen Stellen verhältnismäßig immer noch ziemlich reichlich entwickelt, dank der zahlreichen Nebel, die den Pflanzen eine genügende Feuchtigkeit bieten.

VIII. Kapitel.

Die Tierwelt.

Südafrika war ursprünglich wohl das tierreichste Land der Welt. Ganz enorm waren die Herden großer Säugetiere, die sich in den Steppengebieten, namentlich der Karru und der Kalahari, im Betschuanenland und Südwestafrika authielten. Die reichen Vorräte an Gras und Futterkräutern, besonders aber auch der Reichtum des Bodens an Kalk, begünstigte ihre Entwicklung.

Man kann sich heutzutage nur schwer eine Vorstellung von dem ungeheuren Wildreichtum der alten Zeiten machen. Man muß auf die alten Quellen zurückgehen, namentlich die Berichte der großen Jäger, wie Gordon Cumming, Green und Wahlberg, Chapman, Baines, Andersson u.a., wennmanauch nur einigermaßen die alten Verhältnisse rekonstruieren will. Freilich leiden fast alle Überlieferungen aus jener Zeit an einem Ubel- stande, daß nämlich so gut wie nie Schätzungen über die Zahl der in einem gewissen Gebiet vorhandenen Tiere gemacht worden sind. Solche Schätzungen wären für uns aber von allergrößtem Wert, selbst wenn sie nur annähernd das Richtige getroffen hätten. Ein­mal finden wir bei Chapman die Notiz, daß an einer kleinen Kalk­pfanne des Makarrikarribeckens in einer Nacht ungefähr 12000 Anti­lopen getrunken haben, ganz abgesehen von zahlreichen Elefanten und Rhinozerossen. Da das ganze Gebiet sehr reich an Kalk­pfannen war, so bezieht sich die angegebene Zahl nicht etwa auf den Wildreichtum eines sehr großen Gebietes, sondern eines ver­hältnismäßig recht kleinen.

Noch besser zeigt sich der gewaltige Tierreichtum, der noch in den vierziger Jahren in dem Betschuanenland zu finden war, in den Berichten von Livingstone. Damals bauten die Betschuanen zeitweilig ausgedehnte Wildzäune, die nach großen Gruben hin zu­sammenliefen. Auf diese Wildzäune zu wurden von den Kriegern des Stammes aus weitem Umkreise die Tiere zusammengetrieben und jagten nun in ungeheueren Scharen in die Fallgruben hinein,