Vorwort.
Das vorliegende Buch verdankt seine Entstehung einer "Vorlesung, die ich im Wintersemester 1906/07 hielt. Ich hatte schon längst den Wunsch, nachdem ein spezielleres Gebiet, die Kalahari, eing-ehend zur Darstellung gelangt war, nun auch einen Überblick über das ganze Südafrika zu geben. Auch glaubte ich, mit einer solchen Arbeit einem Bedürfnis entgegen zu kommen, da man ja gerade diesem Teile Afrikas ein besonderes Interesse entgegenbringt und eine zusammenfassende Darstellung hierüber noch fehlt. In dem ganz Afrika behandelnden Werke von Professor Dr. Hahn ist den einzelnen Teilen naturgemäß nur ein beschränkter Raum zugestanden. Die vorliegende Landeskunde also hat einen Umfang, der es gestattet, den Leser — wenigstens in großen Zügen — über die geographischen Verhältnisse nach allen Richtungen hin zu orientieren.
Das Buch wendet sich nicht speziell an die Fachleute, sondern die allgemein gebildeten Kreise. Es ist nicht streng wissenschaftlich und diesem Charakter ist dadurch Ausdruck gegeben, daß nur ganz selten einmal Autoren in Fußnoten zitiert werden. Vielmehr ist die wesentlichste benutzte Literatur nur im Anhang angegeben. Allein bis zu einem gewissen Grade wurde doch versucht, ein bestimmtes Problem zu lösen, das freilich vielleicht mehr ein technisches als ein wissenschaftliches genannt zu werden verdient, nämlich das Problem: Wie soll der physisch- und kulturgeographische Teil untereinander in organischen Verband gebracht werden, so daß ein geschlossenes harmonisches Bild des Landes und seiner Bewohner entsteht. Die Lösung dieses Problems stößt technisch auf größere Schwierigkeiten als man vielleicht im ersten Augenblick denkt, und sie ist in verschiedener Weise versucht worden.
Philippson z. B. hat in seinem „Europa" den Hauptwert auf die Darstellung der „natürlichen Landschaften" gelegt und bei derselben die Siedelungen und Produktionen in ihrer Abhängigkeit