Teil eines Werkes 
Bd. 1 (1913) 1415 - 1870
Entstehung
Seite
42
Einzelbild herunterladen
 

42

den Süden beschränkte Kolonie auf dem ostafrikanischen Fest­land. Trotz der Aschenbrödelstellung, die Afrika unter den Welt­teilen im 17. und 18. Jahrhundert einnahm, hatten doch die See­mächte Europas an den verschiedensten Stellen vom afrikanischen Boden Besitz ergriffen, und dadurch die spätere Entwicklung der Aufteilung Afrikas bereits in weitem Maße vorausbestimmt.

2. Nordafrika.i)

Wenn es im 16. Jahrhundert zeitweise den Anschein gehabt hatte, als ob die Länder Nordafrikas wieder in die abendländische Kulturgemeinschaft eingefügt werden sollten, so hat die heftige muselmännische Reaktion, die durch das Auftreten der Türken veranlaßt war, diese Hoffnung auf mehrere Jahrhunderte gründ­lich zerstört. Am Ende des 16. Jahrhunderts behaupteten die Europäer nur noch wenige Plätze an der nordafrikanischen Küste, und die Versuche, die im 17. und 18. Jahrhundert unternommen worden sind, um das Verlorene wiederzugewinnen, sind ohne Erfolg geblieben.

Die Portugie s en besaßen 1600 nur noch Masagan an der atlan­tischen Küste, sowie Ceuta und Tanger an der Meerenge von Gibral­tar. Ceuta blieb beider Losreißung Portugals von Spanien von den Spaniern besetzt und wurde letzteren 1668 definitiv abgetreten; seitdem haben die Spanier diesen Platz dauernd behauptet. Tanger wurde 1661 als Mitgift der Prinzessin Katharina von Braganza, der Gemahlin Karls II. an England überlassen und 1662 von einer englischen Garnison bezogen. Masagan, das die Portugiesen fortwährend gegen den Ansturm der Mauren zu verteidigen hatten, wurde 1769 geräumt. Damit war der letzte Rest der portugiesischen Herrschaft in Marokko verschwunden.

Der Mittelmeerhandel der Engländer war so bedeutend ge­worden, daß sie es für geraten hielten, einen Stützpunkt für ihre Flotte an der Meerenge von Gibraltar zu erwerben: das war der Gesichtspunkt, der sie dazu bestimmte, sich Tanger von den Portu­giesen abtreten zu lassend) Sie unternahmen hier auch große Hafenbauten und suchten Tanger sowohl zu einer Flottenstation,

Vgl. insbesondere das S. 6 angeführte Werk von Nerc-ior sowie die Kartenskizze S. 12.

2) Aber die englische Okkupation von Tanger ist soeben eine ausführliche quellenmäßige Darstellung erschienen von lZ. Routb, lanZier, Lnglancl» lost ^t- lantio outxost. I^onclon l9l2.