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Die Entwicklung und der Stand der geographischen Forschung über Uhéhe in Deutsch-Ostafrika / von Ernst Battré
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Europäische Besiedlung

Es ist berechtigte Hoffnung vorhanden, daß nun regelmäßige Vieh­transporte zur Küste einsetzen.

Eine stärkere Betonung der Viehzucht würde in Uhehe auch eine günstige Lösung der Arbeiterfrage zur Folge haben. Wenn nach einigen Urteilen es nur geringe Mühe machen soll, 1 ) Arbeiter heranzuziehen, so berichten andere Reisende das Gegenteil. Der freie, stolze Mhehe kann sich nur sehr schwer entschließen, Lohnarbeit auf den Feldern anzunehmen. 2 ) Höchstens arbeitet er zwei Wochen hintereinander; in der Zeit von Dezember bis Januar, der eigentlichen Bestellzeit, kann der Ansiedler fast niemand bekommen. 3 ) Dagegen hängt der Ein­geborene mit kindlicher Liebe an dem Vieh, und es verträgt sich sehr wohl mit seinem Stolz, ein eifriger und brauchbarer Viehwärter zu sein. 2 )

Von den geschilderten Zonen scheidet die erste für die Besiedlung aus, da eine Beackerung der Steilabhänge unmöglich ist, wie dies die ausführlichen Untersuchungen des Landwirts Hauter 4 ) ergeben und praktische Versuche (Station Dabäga) bestätigt haben. Dagegen gibt es westlich von dieser Zone genug geeignete Plätze für Pflugkultur und Viehzucht, und es findet sich Raum für ca. 1000 Kolonistenfamilien. 5 )*)

B. Stand der bisherigen Besiedlung

Wenn bisher die Besiedlung durch Weiße nur langsam vor sich ging, so kann das nach den obengenannten Verkehrsverhältnissen nicht wundernehmen. Fast alle Ansiedler haben mit geringen Mitteln an­gefangen, 0 ) aber doch noch einen zufriedenstellenden Erfolg zu ver­zeichnen gehabt. Bisher mußte man in Rücksicht der ungünstigen Ver­kehrsverhältnisse ein ziemlich bedeutendes Anfangskapital bei Neu- Ansiedlern voraussetzen; Leue 7 ) glaubt, daß ein Kolonist mit 5000 M auskomme, die Regierung hält jedoch nach einer offiziellen Auskunft, 8 ) 12000 M für erforderlich. Ohne Frage werden die besseren Ver­bindungswege diesen hohen Satz in der Folgezeit erheblich herabsetzen. Die wenigen Ansiedler, die trotz der ungünstigen Absatzverhältnisse tapfer ausgehalten haben, sahen sich natürlich gezwungen, auf alle mögliche Art ihre Lage zu verbessern. So verdiente sich einer durch Fabrikation des sehr begehrten Sodawasser seinen Unterhalt, anderen brachten Schlosser- und Schreinerarbeiten auf der Station einen guten Nebenverdienst ein.

Beifolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Anpflanzungen der ersten Ansiedler (s. S. 93):

*) An merk. Die Expedition v. Lindequist wandte besondere Aufmerk­samkeit dem Süden Uhehes zu (Tal des Kl- Ruäha, Matanana), der mit seinen typischen Hochweiden als besonders geeignet für die Besiedlung in Betracht käme. 9 )

*) 2, S. 198. - 5 ) 35, S. 40ff.; 84, S. 31. ») 117, S. 8. - -) 52, S. 75 ff. - 6 ) 4, S. 656; 94, S. 73. -) 119, S. 87 ff. - ') 84, S. 38. - 8 ) 120, Nr. 27. 9 ) 118, Nr. 23.