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Die Entwicklung und der Stand der geographischen Forschung über Uhéhe in Deutsch-Ostafrika / von Ernst Battré
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Europäische Besiedlung

land muß frei sein von Malaria, wenigstens in der schweren Form, eine entsprechende Höhenlage haben (am besten 15002000 m) und ein Klima besitzen, dessen Temperaturschwankungen groß genug sind, so daß in kühlen Nächten und Monaten die Nerven und Muskeln sich erholen können. Wie eingangs gezeigt wurde, würde Uhehe den letzten beiden Bedingungen durchaus entsprechen. Es hat neben der ge­forderten Höhenlage ein fast europäisches Klima mit Tagesschwankungen von 14° C. und mehr, 1 ) das Prof. R. Koch 2 ) mit dem eines Alpen­kurortes oder Norwegens sehr treffend vergleicht.

Dagegen läßt sich nicht leugnen, daß die Malaria hier und da vorkommt, doch sind in Iringa selbst und in dem benachbarten Tossa- maganga seit Jahren unter den Europäern keine Malariaerkrankungen vorgekommen. 3 ) Je weiter man sich nach Westen wendet und in die tiefere vierte Zone gelangt, um so häufiger wird die Erzeugerin, die Anopheles-Mücke, und die Malariaerkrankungen mehren sich. So ist Madibira schon als Herd dieses verderblichen Fiebers zu bezeichnen. Doch hat diese Krankheit durch ihre richtige Erkenntnis und die Mög­lichkeit einer Bekämpfung nach den verschiedensten Methoden und die wirksame Chininprophylaxe einen großen Teil ihres Schreckens eingebüßt.

Das Rückfallfieber, das ebenfalls in Uhehe vorkommt, ist jetzt als eine Krankheit erkannt, die durch Zecken übertragen wird. Bei Ver­meidung der verseuchten Rasthäuser und der Eingeborenenhütten, den Aufenthaltsorten dieser Zecken, ist der Europäer im allgemeinen vor dieser Krankheit sicher.

Anfangs erregte die Erkenntnis, daß die Bubonenpest in Uhehe endemisch sei, nicht geringen Schrecken; doch scheint die Gefahr, nach dem Berichte des Prof. R. Koch 4 ), nicht so groß zu sein: »Ich habe mich selbst in Iringa davon überzeugen können, daß die Pestgefahr in Uhehe in der Tat eine ganz unbedeutende ist, die voraussichtlich, wenn systematisch bekämpft, in kurzer Zeit sich wird ganz beseitigen lassen. Da übrigens die Pest beim Menschen nur im Anschluß an Rattenpest sich entwickelt, welche in den Behausungen der Eingeborenen be­gründet ist, so bildet auch hier wieder die Regel: krankheitsverdächtige Hütten der Eingeborenen zu vermeiden. Auf keinen Fall kann das geringe Pestvorkommen in Uhehe einen Grund dafür abgeben, Uhehe als ungeeeignet für Siedlungszwecke zu erklären.« Die energische Bekämpfung ist bereits aufgenommen, und schon 1904 waren 100000 Ratten getötet. 5 ) Der Bericht des Jahres 1909 über die Gesundheits­verhältnisse in unseren Kolonien 6 ) meldet von Uhehe, daß keine neue Pesterkrankung zur Kenntnis der Behörden gelangt ist.

2. Bedingungen wirtschaftlicher Art. Wenn somit Uhehe klimatisch und gesundheitlich den Anforderungen vollauf genügen würde, so sprechen doch zur Sicherung eines wirtschaftlichen Gedeihens der Ansiedler noch andere Gesichtspunkte mit.

l ) 1, S. 147.') 113, Nr. 522. ->) 114, Nr. 12. ") 114, Nr. 14. '"') 100, S. 50. c ) 104, S. 82.

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