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Die Entwicklung und der Stand der geographischen Forschung über Uhéhe in Deutsch-Ostafrika / von Ernst Battré
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B. Die nationale Forschungsperiode

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wegen der Unübersichtlichkeit des Geländes nicht erkennen konnte. Für ihn hat der Fluß eine nordsüdliche Richtung, die er auch auf seiner Karte 1 ) entsprechend zum Ausdruck bringt, nur leider in zu ausgedehntem Maße. Das ganze Kartenbild wird durch diesen falsch aufgefaßten Lauf des Gr. Ruäha vollkommen verschoben. Der von ihm Ruäha genannte Fluß scheint der Lukösse mit dem kleinen Mdahi'ra-(Imbata)Bach zu sein. Nach wenigen Tagemärschen lagert er am Fuß des gewaltigen Mage-Berges, den seine Karte Ruäha-Kette be­zeichnet; die Höhe »pres de 3000 metres« 2 ) erscheint nach den neueren Erkundungen etwas zu reichlich. Die Gegend, die bis zur Er­reichung der Hauptstadt geschildert wird, ist von ihm als weite Ebene von 16001800 m dargestellt, der Höhenzüge von 200400 m auf­gesetzt sind. Diese Angaben stehen im Einklang mit den Aufzeich­nungen späterer Forscher. Merkwürdig erscheint es, daß alle späteren Karten (weiter unten erwähnt) den Kl. Ruäha-Uhehe von Norden nach Süden fließen lassen, obwohl Giraud, der doch von Nordost nach Südwest zieht, ausdrücklich bemerkt, daß er nach dem Übersetzen über diesen Strom das linke Ufer erreicht habe. 3 ) Überhaupt ist das Bild der kleinen Bäche und Flüßchen recht unklar, und man kann nur vermuten, daß sein weiterer Weg in dem Lumda-Ndembera-Tal stattfand.

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Graf v. Pfeil. Als mit den Jahren 1884/85 die Aufteilung Afrikas einsetzte und mit hastigem Drängen eine Expedition nach der anderen Ostafrika durchquerte, war es Graf v. Pfeil, der als erster dieser Periode Uhehe betrat. Wie Giraud kam auch er von Marore (nach ihm ist dies der Name des dortigen Häuptlings) 4 ), um in der Nähe dieser Stelle den Gr. Ruäha zu überschreiten. Wie bei jenem ist auch bei ihm die Vorstellung über den Lauf des Gr. Ruäha eine zu nordsüdliche. Darum muß auch der Lukösse (Ukose bei ihm) einen mehr östlichen Lauf nehmen. 5 ) Gleich nach der Überschreitung des Gr. Ruäha erscheint ihm das Land als ein Lateritgebiet bösester Art, bei dem der Baumwuchs nicht über das Krüppelhafte hinauskam. Es sei hierzu wieder bemerkt, daß die Reise im Juni und August stattfand, die in dieser Gegend die trockenste Zeit darstellen. Besser wird die Vegetation, als er die Mage-Berge bei dem Orte Mage er­reicht. Dieses Gebirge, das auch bei ihm einfach den Namen Uhehe- Gebirge führt, und das er als eine Fortsetzung des im Norden ge­legenen Rubeho - Gebirges ansieht, hat bei ihm nur eine Höhe von 1458 m, eine Höhenangabe, die allerdings bedeutend zu niedrig ge­schätzt ist. Die Landschaft Lula unter dem Häuptling Malawanu, die schon bei Giraud den Ort Marahouano c ) aufweist, besitzt nach ihm

') 14, Karte I; 15, S. 3. -) 14, S. 110. s ) 14, S. 142 f. 4 ) 16, S. 357. 5 ) 16, Karte; 17, S. 160; 18, S. 167. 6 ) 14, Karte.

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