Werter Freund und Kollege!
Als eifriger Leser Ihres Blattes habe ich mit großem Interesse die aufreizende und lächerliche Deutschenhetze verfolgt, die immer aufs neue von den Vorkämpfern des brasilianischen Jakobinismus entfacht wird. Diese Leute ersetzen die Vernunft, die ihnen abgeht, durch den Flitterkram französischer Rhetorik, wie sie vor 100 Jahren im Schwange war. Renan hatte ganz Recht, als er in Anlehnung an einen Ausspruch des alten Salomo sagte, daß die menschliche Dummheit uns den Begriff der Unendlichkeit verdeutlicht.
In meiner doppelten Eigenschaft als Germanist und Brasilianer, der Ihr altes Vaterland hochschätzt, ohne dazu irgend welche Erlaubnis eingeholt zu haben, kann ich nicht umhin, die Schriftleitung des Urmaldsboten zu den jüngst veröffentlichten vortrefflichen Artikeln gegen die unwissende Horde der Untermenschen der nationalen Kultur zu beglückwünschen, die den roten Lappen einer überlebten Pöbelherrschaft !^ Is Robespierre und Babeuf schwingen, nur darauf bedacht, sich fette Einnahmen und hohe Aemter zu verschaffen, um dann das arme Volk, diesen Sündenbock für die Dummheiten aller gewesenen und zukünftigen Demagogen, nao> ihrem Gutdünken tyrannisieren zu können. Die Deutschenfurcht ist das gefährliche Ferment, durch welches diese Heuchler die Masse der Unwissenden und Sansculotten in Gärung zu versetzen suchen.