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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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Dove, Deutsch-Südwest-Afrika.

Kleinsiedler nur eine kapitalkräftige Gesellschaft solche Gartenkolonien ins Lehen rufen darf. Der kleine Mann ist nicht widerstandsfähig genug, als selbständiger Ansiedler die ersten, ganz ohne Einnahme verstreichenden Jahre zu überstehen. Nehmen wir z. B. an, derselbe wolle sich dem Weinbau widmen, so wird er, wenn man bereits nach zwei Jahren im stände ist, eine genügende Menge zu keltern, doch erst nach vier Jahren auf den Ver­kauf eines wirklich trinkbaren Weines rechnen können. Es wäre danach das Eichtigste, solche Leute, denen ein genügendes Kapital nicht zur Verfügung steht, gegen eine gewisse Beteiligung der Gesellschaft am Beingewinn drüben niederzusetzen, wenn man nicht schliefslich ein Pachtsystem mit der Möglichkeit einer zu beliebiger Zeit erfolgenden Ab­lösung vorziehen würde. Dafs eine solche Gesellschaft, ohne deren kräftige Mitwirkung die Ansiedler kaum im stände sein werden, selbst kleinere Bewässerungsanlagen einzu­richten, dies aus purer Menschenfreundlichkeit thun sollte, wird vernünftigerweise niemand von ihr verlangen. Die Beteiligung einer solchen aber an Unternehmungen der hier dar­gestellten Art erscheint unter den heutigen Verhältnissen unausbleiblich, da die Regierung offenbar nicht die Absicht hat, die praktische Kolonisation selbst in die Hand zu nehmen.

3. Das Innere,

In wirtschaftlicher Hinsicht stellt das ganze Innere des Schutzgebiets mit Ausnahme des Ovambolandes und etwa der Südhälfte des Grofs-Namalandes ein ziemlich einheitliches Gebiet dar; einheitlich insofern, als es mit Ausnahme räumlich sehr beschränkter Flächen im wesentlichen ein Viehzuchtland ist, und zwar ein Viehzuchtland, in dem allgemein nur ein sehr extensiver Betrieb gestattet ist. Die Art des Gartenbetriebes, wie sie in der mittleren Zone des Landes möglich erscheint, ist zwar auch hier noch durchzu­führen, aber sie hat doch bereits an vielen Stellen mit klimatischen Schwierigkeiten zu kämpfen. Diese beruhen weniger in der Häufigkeit von Nachtfrösten und in einer im all­gemeinen bereits herabgeminderten Mittelwärme, als vielmehr in einer häufig eintretenden Störung der für die Pflanzen wärmerer Zonen nötigen Vegetationszeit durch sommerliche Regeuperioden. Es ist deshalb der Gartenbau in diesem Gebiet auf solche Pflanzen zu beschränken, denen entweder die unter Umständen recht starken Regen des Sommers nicht schaden, oder bei denen man, wie etwa beim Wein, unbedenklich mit einer Reifezeit in kühlerer Jahreszeit rechnen darf. Dafs es in diesem Gebiet kaum noch möglich sein wird, jene feurigen Weine zu keltern, wie man sie neuerdings am Kap in nicht geringer Güte erzielt, bedarf kaum der näheren Ausführung. Wohl aber dürfte sich der Versuch, leichtere Weine zu erhalten, gerade in einigen Landschaften des Innern lohnen. Ebenso möchte ich davor warnen, einen besondern Wert auf den Anbau von Getreide zu legen. Erstens ist es sehr fraglich, ob bei der Kostspieligkeit grofser Bewässerungsanlagen der Ertrag etwa an Weizen oder ähnlichen Brotfrüchten noch eine wirkliche Rente von dem angelegten Kapital bedeuten würde. Sodann haben alle dahingehenden Vorschläge den Mangel, dafs sie mit den vorhin erwähnten unnatürlichen Bedingungen viel zu sehr rechnen. Bei einer allmählichen Besetzung des Landes mit Farmern werden diese nach und nach in der Lage sein, aus den auf jeder Farm anzulegenden Dammgärten soviel Überschufs an Getreide und Gemüse billiger zu liefern als eine grofse und kostspielige Bewässerungsanlage, dafs davon der Bedarf der nicht im gleichen Verhältnis wachsenden, ja vielleicht in absehbarer Zeit verringerten Schutztruppe völlig gedeckt wird. Wir wissen ferner viel zu wenig Positives über den wirklichen Durchschnittsertrag von Getreide in unserm Schutzgebiet, um auf blofse Vermutungen hin schon jetzt Berechnungen der Rentabilität vorzunehmen. Viel eher würde an einzelnen Stellen, z. B. in Windhoek, wo auch ohne die Garnison, die in diesem Ort eine starke Verringerung in den nächsten Jahren kaum erfahren dürfte, eine starke Nachfrage nach gewissen Produkten der Viehzucht (namentlich Milch und Butter) herrscht, der Anbau gewisser Futterkräuter Aussicht auf Erfolg bieten. Das klingt