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Dove, Deutsch-Südwest-Afrika.
betriebenen Viehhaltung in dem aufserordentlich niedrigen Preis, den die Tiere erzielen. Man halte dem nicht entgegen, dafs die Truppe ja in absehbarer Zeit nicht werde verringert werden. Wenn dies auch nicht geschehen sollte, so wird mit jeder in Bewirtschaftung genommenen Farm das Angebot an Vieh so viel gröfser, ohne dafs die Nachfrage gleichzeitig steigt, dafs schon sehr bald das natürliche Preisverhältnis im ganzen Schutzgebiet wieder erreicht werden dürfte. Es mögen nunmehr die einzelnen Landschaften in ihren wirtschaftlichen Bedingungen einer kurzen Untersuchung unterzogen werden. Dabei brauche ich wohl kaum noch einmal zu betonen, dafs es sich um die nächsten Jahrzehnte handelt und dafs es demnach nur meine Aufgabe ist, auf das Nächstliegende und auf das zunächst Gebotene hinzuweisen, beides Dinge, die leider in unsern kolonisierenden Kreisen oft erst zuletzt einer Erwägung gewürdigt werden.
1. Die Namib.
Selbst wenn man die Grenzen der Namib dort ansetzt, wo thatsächlich jeder irgend zusammenhängende Graswuchs aufhört, so erhält man immer noch ein Gebiet, das beinahe ein Zehntel des südlichen Damaralandes umfafst. Für die Viehzucht mufs dieser Teil als gänzlich unproduktiv gelten. Auch an Gartenbau im Sinne des Anbaus wertvoller Gewächse ist an den Flufsläufen dieses Gebiets nicht zu denken. Die Nebel der Küste, die Morgen- und Abendfeuchtigkeit sind hier viel zu grofs, als dafs die in Frage kommenden Pflanzen wärmerer Zonen dabei gedeihen könnten. Aufserdem aber sind voraussichtlich noch auf längere Zeit die an den Flufsunterläufen befindlichen Futterflächen für die im Wagenverkehr benötigten Gespanne durchaus unentbehrlich.
Auch von der Namib gilt indessen der Satz, dafs es ein absolut wertloses Gebiet schliefslich wohl nirgends giebt. Ich habe bereits oben angedeutet, wie diese Flächen für gewisse wertvolle Tiere der Steppe, besonders für den Straufs, als eine Heimstätte betrachtet werden können. Was an nutzbaren Wüstengewächsen später einmal in diesem Gebiet gepflanzt werden könnte, das zu entscheiden überlasse ich dem Botaniker. So viel aber steht fest, dafs diese Landschaft von vornherein gänzlich aus dem Besiedelungsplan von Gesellschaften und Privaten auszuscheiden hat, wollen diese sich nicht den Vorwurf der völligen Unfähigkeit machen lassen.
2. Die Übergangszone.
Hierher rechne ich in wirtschaftlicher Beziehung das ganze Gebiet, in dem nicht nach etwa fünf- bis sechsjährigem Durchschnitt alljährlich auf mindestens soviel Hegen gerechnet werden kann, dafs wenigstens ein Teil der Weide sich erneuert. Erst östlich von Otjimbingue würden wir die Grenze dieser Landschaft überschreiten, und unter der Voraussetzung, dafs auch hier die Grenze ungefähr parallel der Küstenrichtung verläuft, würden wir somit annähernd zwei weitere Zehntel erhalten, die für eine Besiedelung nur sehr wenig in Betracht kämen 1 ). Für die westlichen Striche, die sozusagen noch Namib- charakter tragen, brauche ich dies kaum näher auszuführen. Aber der ungünstige Einflufs grofser Schwankungen der jährlichen Regenmenge reicht ziemlich weit nach Osten. Noch die ganze Ebene südlich von den Khousbergen ersetzt das weggefressene Gras keineswegs auch nur in jedem zweiten Jahre, und um mit Sicherheit auf einen solchen Ersatz auf der ganzen Fläche rechnen zu können, müfste man hier und in den entsprechenden südlich vom Swakob gelegenen Strichen schon einen Zeitraum von gut fünf Jahren ansetzen. Da man nun sonst mindestens 10 Hektar Weideland auf ein Stück Grofsvieh rechnen mufs, so würde, soll die Herde vor dem Zugrundegehen in den häufigen schlechten Jahren
x ) Ich rechDe hier das Land bis zum 20.° E. L. als südliches Damaraland. Die Gebiete , die nördlich vom 22.° S. B. über diesen Meridian hinausgreifen, kommen augenblicklich für eine Besiedelung durch Europäer noch nicht in Frage.