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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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V. Verkehrswege.

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durch, gute Futterplätze aus. Weiterhin ist die Lage der Windhoeker Quellen, die auch im trockensten Jahre grofsen Transportzügen eine genügende Wassermenge zum Tränken der Gespanne in Aussicht stellen, fast in der Mitte dieser etwa 180 km langen Strecke als eine besondere Gunst zu betrachten. Die Verbindung aber, welche benachbarte Land­schaften mit dem Hauptthal besitzen, ist wiederum meist so schlecht, dafs dadurch der sich in nordsüdlicher oder umgekehrter Eichtung bewegende Gütertransport immer auf die Benutzung der Hauptthäler angewiesen erscheint. Die Verbindung zwischen Windhoek und den Wohnsitzen der Ovambandjeru ist beinahe bequemer auf dem Umwege über Okahandja als auf dem Seiswege herzustellen. Ebenso wurde von den in und bei Kubabub wohnenden Viehzüchtern nicht selten selbst bei Reisen zu Pferde der Weg über den Pafs der Awasberge der direkten Linie über den Seisweg vorgezogen, obschon auch dieser als Umweg anzusehen war. Als am meisten charakteristisches Beispiel jedoch für die Bedeu­tung der Hauptstrafse möchte ich auf die Verbindung zwischen Rehoboth und Otjimbingue hinweisen. Während dieser Ort auf dem von Rehoboth über das Khomasland führenden Wege nur 180km entfernt ist, wählen die Frachtfahrer stets die beinahe 100 km längere Strafse über Windhoek und Otjikango. Das würde bei gleichgutem Wege eine längere Dauer von mindestens 3 Reisetagen für beladene Wagen bedeuten, so dafs man einsieht, wie nur die Vorzüge des Hauptweges die Bastards zur Wahl des meridionalen Weges veranlafst haben. Ich selbst hatte auf einwöchiger Reise Gelegenheit, die aufserordentlich schlechte Beschaffenheit der über das Khomasland führenden Wegrichtungen kennen zu lernen, denn von eigentlichen Wegen auch nur im südwestafrikanischen Sinne kann hier gar nicht die Rede sein. Beispielsweise brauchte unser keineswegs schwer beladener und obendrein vorzüglich bespannter Wagen beinahe zwei volle Reisetage von Windhoek nach der Matchlefsmine, welche, in der Luftlinie nur 30 km von hier entfernt, nur auf dem Umwege über Haris von Frachtwagen einigermafsen bequem erreicht werden kann. So schlecht ist ferner die Verbindung dieser Kupfermine mit dem westlich gelegenen Otjim­bingue, dafs ein etwaiger Erztransport nach dort über das östlich gelegene Windhoek würde erfolgen müssen.

Wie sehr begünstigt hiergegen der Hauptweg erscheint, das zeigen am besten die Steigungszahlen für seine einzelnen Abschnitte. Diese sind, ohne dafs sie durch viele Zwischensteigungen und -Senkungen unterbrochen werden, in abgerundeten Ziffern:

OtjikangoOtjiseva 1 : 270,

OtjisevaWindhoek 1 : 220,

WindhoekPafshöhe in den Awasbergen 1:80,

AwaspafsRehoboth 1 : 170,

dagegen

Windhoeköstliche Wasserscheide und WindhoekKhomasland 1:50. Dabei bietet sich dem Frachtfahrer noch die Möglichkeit, die unangenehmste Strecke des ganzen Weges, die Landschaft, in welcher der Usib die obere Terrasse des Bastard­landes verläfst, in westlich abweichendem Bogen in bequem zu befahrender Ebene zu umgehen.

VI. Ethnologisches.

Bei der Beurteilung ethnologischer Fragen in Südwestafrika ist grofse Vorsicht anzu­wenden , da viele Stammesteile der Eingeborenen bereits stark durch europäische Sitten und Gebräuche beeinflufst worden sind. Im höchsten Grade war dies in Windhoek der Fall, wo aufser der mehrjährigen Anwesenheit der Truppe noch zwei andre Gründe für