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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.

an manchen Stellen überwuchern harte Binsengräser die zarteren Halme vollständig. Da, wo sich an gröfseren Flüssen eine genügende Feuchtigkeit das Jahr über hält, finden sich Stellen mit 5 und mehr Meter hohem Riedgebüsch, dessen 23 cm dicke, kräftige Halme zur Bedachung von Häusern sehr gesucht sind. Und auch darin wahrt dieser lichte Ufer­wald, in dem häufig genug schmale, aber tiefe Regenschluchten und quer über den engen "Weg gestürzte Bäume das Vordringen erschweren, sein afrikanisches Gepräge, dafs er nur einen Streifen von geringer Breite, selten mehr als einige Hundert Meter, auf einer oder zu beiden Seiten des Flusses erfüllt, um dann mehr oder weniger plötzlich in das buschige Grasland oder den enggeschlossenen Buschwald überzugehen.

Noch eines Punktes möchte ich an dieser Stelle gedenken, der selbst in geographischen Fachkreisen nicht immer genügend gewürdigt wird. Derselbe betrifft die Beschattung des Bodens im Innern von Südwest-Afrika durch die bäum-und buschförmigen Pflanzen. Diese ist im Hochgebiet des Landes gemeinhin viel bedeutender, als man in Europa anzu­nehmen geneigt ist, und darin beruht der aufserordentliche "Wert der kräftigeren Vegetation für die Aufspeicherung und Erhaltung des R^genwassers. Namentlich die Umgebung der Flüsse ist durch die eben besprochenen Uferparks in dieser Hinsicht aufserordentlich be­günstigt, und ich kann aus Erfahrung versichern, dafs der Schutz, den viele Bäume in unsrer Kolonie gegen die Sonnenstrahlung gewähren, ein sehr grofser und fühlbarer ist. Aber es ist nicht so sehr das Laub, welches den Sonnenstrahlen den Durchgang verwehrt, als vielmehr die aufserordentlich dichte Verzweigung und Verästelung der Büsche und Baumkronen, die selbst ohne Laub in vielen Fällen ausreicht, um einen ganz leidlichen Schatten zu erzeugen. So nimmt selbst der anspruchslose und unscheinbare Dornbusch der Berghänge und der Flächen noch eine wichtige Stellung im Haushalte der Natur ein, und es wäre in diesen schon an sich einer starken Bestrahlung ausgesetzten Gegenden ein in hohem Grade verwerfliches Beginnen, wollte man eine allmähliche Vernichtung der glücklicherweise noch immer recht kräftigen Bestände namentlich von Seiten der Eingebornen stillschweigend dulden.

Nutzpflanzen.

Bei der Jugendlichkeit aller Kulturanfänge in unsrem Schutzgebiet gelangen nicht einmal die wilden Nutzpflanzen in irgendwie bedeutendem Mafsstab zur Verwertung. Mit Ausnahme einiger weniger wildwachsenden Nährpflanzen und einiger Gewächse, welche als Medizin- und Giftlieferanten zur Verwendung kommen, ist es wesentlich die noch in ihren ersten, kindlichen Anfängen stehende europäische Kolonisation, auf die der Freund des Landes hier seine Hoffnungen für die Zukunft zu setzen hat.

Von den wildwachsenden Nährpflanzen sind es eigentlich auch nur zwei, welche wirklich in ausgedehntem Mafsstabe benutzt werden, so dafs die erste derselben, die Nara- melone, an den wenigen Stellen, wo sie sich findet, sogar die Ursache zur Bildung einer Niederlassung geworden ist. Die Umgegend von Sandfontein östlich von Walfischbai, wo sich die Stauden der Pflanze am häufigsten finden, wird zur Zeit der Reife der kleinen Melonen von den Topnaars abgesucht, und die Kerne der wohlschmeckenden Frucht gehen in nicht unbeträchtlichen Mengen nach dem Kap. Sie werden dort in ähnlicher Weise benutzt wie unsre Mandeln, an welche sie im Geschmack deutlich erinnern.

Die wichtigste der Pflanzen, welche den Bergdamaras und Hottentotten die sogenannte Feldkost liefern, ist eine kleine, 20 cm hohe Staude, deren Wurzelknollen unter dem Namen Uientjes (Zwiebelchen) im ganzen Lande bekannt sind. Dieselben wechseln zwischen der Gröfse einer Erbse und einer kleinen Kirsche, sind von dunkelbrauner Zwiebelhaut um­geben und werden nicht allein von den Eingebornen, sondern auch von Pavianen und Perlhühnern mit Vorliebe ausgegraben. Geröstet besitzen sie einen gewissen Wohlgeschmack, und eine von so zubereiteten Uientjes gekochte Suppe erinnert stark an Kartoffelsuppe.