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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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III. Pflanzenzonen.

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handelt es sich dabei nicht selten bereits um stattliche Stämme, und schon hier findet man solche von 30 cm Durchmesser und darüber mit schön entwickelten Kronen. Aber noch ist es von solchen Stellen in diesem Gebiet weit bis zu jener Zone, in der die für einen grofsen Teil des südlichen Damaralandes bezeichnende Form der Buschsteppe beginnt.

2. Die Busch- und Grassteppe.

Die charakteristische Form des Damaralandes, die Grassteppe, untermischt mit einer mehr oder weniger dichten Dornbuschvegetation, nimmt den bei weitem gröfsten Teil des Landes ein. Wir begegnen ihren Merkmalen in mehr oder weniger deutlicher Ausbildung selbst in den Landschaften, welche wir bereits als Übergangsgebiete zu andersgearteten Vegetationsgebieten ansehen müssen. Und innerhalb der von der grasigen Dornbuschsteppe eingenommenen Striche sind es durchgängig unter sonst ähnlichen Verhältnissen (Seehöhe, Neigungswinkel des Bodens &c.) die Regen und ihre Verteilung, welche die Unterschiede in der Entwickelung dieser pflanzlichen Formation bedingen. Es ist darum erklärlich, dafs diese Verschiedenheiten überall weit mehr quantitativer als qualitativer Natur sind.

Die Westgrenze der Dornbuschzone fand ich auf dem erwähnten Hochlande, wo die­selbe wegen des vertikalen Aufbaus des Landes in Gestalt einer ausgedehnten, von SW nach NO streichenden Ebene als typisch gelten dürfte, in der Länge des Itusisberges östlich von Ubeb (etwa 15-§-° Ö. L.). Dort tauchen zuerst in der Ebene und an den flachen Hängen der Bodenwellen Dornbüsche in einiger Menge auf, wenngleich man hier weder die hohe Entwickelung noch die dichten Bestände trifft, welche im Innern des Landes bisweilen das Streifen abseits vom Wege zu einer wahren Last machen. Doch finden sich bereits in dem westlichsten Teile des Buschlandes die beiden Hauptformen, die uns in dem ganzen Gebiet des südlichen Damaralandes wieder begegnen, nämlich die Giraffenakazie, die sich selbst im regenreicheren Hochgebiet nicht selten nur zu Büschen auswächst, und vor allem die Qual aller im Dornbusch beschäftigten Leute, der Fluch des Sammlers und Jägers, der Hackedorn, von den Holländern mit Recht Wacht - en - bitje genannt, denn die kleinen, mit Widerhäkchen versehenen Dornen dieser Akazie sind es vornehmlich, die den Busch so undurchdringlich machen.

Die Grenze, jenseits welcher sich die stärkeren Niederschläge in der Dichtigkeit der Dornbuschvegetation zuerst stark bemerkbar machen, wird unter dem 22.° S. Br. erst 30 km östlich von Otjimbingue erreicht, wo gleichzeitig die mittlere Höhe des Landes auf 13001400 m anwächst. Während westlich von diesem Gebiet sich dichter Buschwald nur in unmittelbarer Nähe der Flüsse findet, überzieht er östlich von der erwähnten Grenze häufig genug auch die Abhänge zu beiden Seiten des Thak, ja er bekleidet nicht selten selbst die niedrigeren Hügel bis -zur Höhe. Man kann sich in Europa nur schwer eine Vorstellung von der aufserordentlichen Dichte eines solchen Waldes machen. Ich gebrauche absichtlich die BezeichnungWald", denn einen andern Namen verdienen diese Ansammlungen gewaltiger Sträucher kaum, unter denen zahllose Exemplare die Höhe von 4 5 m erreichen und die oft so stark ineinander verwachsen, dafs es thatsächlich an vielen Stellen unmöglich wird, auch nur zu Fufs in das Innere eines solchen Dickichts einzudringen.

Einen besondern Ausdruck verleihen den Gegenden, in welchen der Buschwald vor­herrscht, zahlreiche Aloestauden. Hier aber sind es nicht mehr die seltsamen Formen dieser Gattung, die uns in der Steppe entgegentreten und die im Lande vielfach fälschlich als Kakteen bezeichnet werden, sondern die Aloe dieser Hochländer erinnert mit ihrem im ausgewachsenen Zustande an 2 m hohen, dunkelbraunen Strunk, der noch die vertrockneten Ansätze früherer Blätter zeigt, und mit der flachen Krone hellgrüner, fleischiger Blätter weit eher an eine verkümmerte Palme als an eine Aloestaude. Wahrhaft reizend aber wirkt die Pflanze, wenn aus der Mitte der Blattkrone der mit knallroten Blüten geschmückte