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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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I. Beobachtungen über den Aufbau des Landes.

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und Vieh schliefsen zu wollen. Im Gegenteil sind die welligen Weideflächeu viel besser zur Viehzucht zu benutzen als das Land in der nähern Umgegend von Windhoek, und wenn his heute die riesigen GrasmeDgen nur grofsen Wildrudeln Nahrung gewähren, so liegt das allein an der Absonderung des Gebietes von dem Zuge der grofsen Verkehrs­wege, welche weiter unten noch eine eingehende Würdigung finden werden.

4. Das Wassergebiet des Nosob.

Wenn man von Windhoek aus auf dem sogenannten Seiswege östlich reist, erreicht man in etwa 15km Entfernung die Wasserscheide, gebildet durch einen langen Höhen­rücken, der von SO nach NW zieht. Durch das ziemlich senkrecht gegen diese Eichtung erfolgende Aufsteigen der Hügelwellen his zur wasserscheidenden Erhebung, dereu Seehöhe ich auf 1900 m bestimmte, wird der Seisweg für Wagen zu einer recht unbequemen Ver- bindungsstrafse. Jenseits der höchsten Bodenwelle jedoch ändert sich das Bild sehr schnell. Zunächst allerdings folgen noch eine Eeihe breiter Hügelwellen aufeinander, deren Ge­samtrichtung dieselbe ist wie hei den weiter westlich liegenden Erhebungen. Aber der Unterschied zwischen Berg und Thal beträgt nur noch 20 m, und dort, wo die äufserste Ostspitze der Awasberge querab von dem Eeisenden liegt, sind sie vollständig abgeflacht. Zuerst bilden aufserdem die östlichen Grate des genannten Gebirges mit den im Norden, nach dem Gebiete der Ovambandjeru herüberstreichenden Bergketten gewissermafsen noch ein breites Hochthal von etwa 1800 m Seehöhe. Erst jenseits des Ostpunktes der Awas­berge setzt ein breiter, flacher Höhenrücken die Wasserscheide zwischen dem Olifantrivier und dem Schaaprivier (Nebenflufs des Fischflusses) fort, der halbwegs Seis noch einmal einen 200 m hohen isolierten Bergstock trägt. Gleichzeitig treten auch die Berge im Norden weiter zurück, sie werden niedriger und die Bodenwellen dazwischen sind so flach, dafs das Land nach Osten zu als eine endlose Ebene erscheint, die nach Dufts Angahe bereits durchaus denselben landschaftlichen Charakter trägt, wie ihn die östlichen Grenz­distrikte der Kalahari im Gebiete von AVestgriqualand aufweisen. Dabei sinkt das Land ganz allmählich nach Osten ab, so dafs es unter 18° ö. L. bereits wenig über 1500 m Durchschnittshöhe besitzt.

Die später näher zu erörternde klimatische Stellung dieses Gebietes läfst dasselbe im Vergleich zu den westlicheren Gegenden als eine wasserreiche Landschaft bezeichnen. Unter allen kleineren Flüssen, die ich im Schutzgebiete gesehen, verdient keiner so sehr den Namen eines solchen auch in europäischem Sinne wie der obere Elefantenflufs. Und nicht nur im Oberlauf dieser Einne selber findet man unter dem Sande reichlich und an vielen Stellen selbst oberflächlich fliefsendes Wasser, sondern auch die kleinen flachen Seitenthälchen führen solches bisweilen in derartiger Menge, dafs das wertvolle Element am Ausgange des Thaies nicht selten die dünne, darüber lastende Bodenschicht durch­bricht und als eine Art Quelle oder, wie der landesübliche Ausdruck lautet, als Fontein zu tage tritt.

Hier beginnt nach meiner bereits öfters an anderer Stelle geäufserteu Ansicht ein sich nach Osten immer mehr verbreiterndes Gebiet, in welchem Brunnenbohrungen auch aufser- halb der Flufsthäler Aussicht auf Erfolg bieten. Im Westen kann bei dem dort vorherr­schenden Aufbau des Landes ein solches Vorgehen in den weitaus meisten Fällen nur in der Nähe der Flüsse Nutzen versprechen. Hier haben wir Gebiete vor uns, in denen ähnliche Arbeiten wie im französischen Nordafrika in ferner Zukunft wirklich einmalein neues Land" schaffen helfen mögen.

5. Das Bastardland.

Das Land der Eehobother Bastards, von diesen erst vor etwa einem Menschenalter eingenommen, ist schon durch seinen Aufbau vor dem Berglande zwischen Windhoek und

Dove, Deutsch-Südwest-Afrika. 2