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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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I. Beobachtungen über den Aufbau des Landes.

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während des Kriegs stimmen würde. Es wäre zu wünschen, dafs man über die Möglichkeit eines Eindringens von hier aus in die gänzlich unerforschten Landschaften zwischen dem unteren Kuiseb und Angra - Pequena durch Erkundigungen bei den Witboois Näheres zu erfahren suchte.

b) Der vertikale Aufbau des Landes,

Bereits bei einer früheren Gelegenheit habe ich in gedrängter Darstellung ein Bild von dem vertikalen Aufbau des südlichen Damara - Landes zu geben versucht 1 ). Ich kann des­halb an dieser Stelle einiges als bekannt voraussetzen. Noch einmal sei betont, dafs das ganze Gebiet nicht entfernt den Eindruck einer Beihenfolge von Hochebenen hervorruft, wie etwa die verschiedenen Teile der Karroo, dafs vielmehr nur ein gewaltiger, nach dem Innern ansteigender Hochlandssockel vorhanden ist, auf dem in bunter Reihenfolge niedrige "Wellen und schroffe Gebirge, vereinzelte Kuppen und tiefe Thalabstürze aufeinander folgen, während der Form der Ebene im engeren Wortsinne in dem ganzen Gebiete nur im äufsersten Westen und Nordosten gröfsere nicht gleichzeitig von höheren Gebirgen durch­zogene Flächen zugehören. Versteht man unter dem südlichen Damara-Lande das Gebiet zwischen dem 21. und 23.° S. Br., so entfallen von einer Gesamtfläche von etwa 90000 qkm (bis zum 18.° Ö. L.) mindestens 60000 qkm auf die gebirgigen und stärker gewellten Landschaften.

Entsprechend der in dem angeführten Aufsatz gegebenen Einteilung unterscheide ich auch hier vier Hauptlandschaften.

I. Die Namibflächen.

Die westliche, auf die Dünenregion der Küste folgende Landschaft ist eine Wüsten­steppe , ja in manchen Teilen eine vollkommene Wüste. Die Grenze der Namib dies ist der hottentottische Name derselben ist dort, wo zuerst eine in flachem Gebiet auftretende Steppenvegetation auf regelmäfsige, wenn auch schwache Niederschläge deutet. Will man eine Durchschnittszahl für die Ausdehnung dieser Region ansetzen, so kann man 60 km Entfernung von der See überall als innere Grenze annehmen. Die Höhe dieses Land­strichs steigt ziemlich gleichmäfsig nach dem Innern an und schwankt an ihrer Ostgrenze zwischen 400 und 500 m 2 ). Der Boden der Namib ist fest und hart, meist von gelblicher und rotgelber Farbe, und das Land macht den Eindruck einer wirklichen, nach Westen langsam sinkenden Ebene, welche nur von isolierten und meist rundlichen Kuppen überragt wird. Die Höhe dieserBerge" wechselt, indem eine Anzahl nur die Bezeichnung niedriger Höcker verdienen, während andre, wie der Dupasberg, 150 m und darüber aus dem flachen Gebiete aufsteigen. Wirkliche Berge und höhere Erhebungsmassen erblickt man nur in grofser Entfernung von den Hauptwegen, und meist liegen sie im fernen Osten.

"Übrigens ist die Vorstellung, als sei das Uferland des Kuiseb im mittleren Teile des Schutzgebiets die Grenze einer ausgedehnten Sandwüste, die das ganze Gebiet zwischen Tsauchab-Flufs und der Breite von Angra Pequena erfülle, als entschieden irrig zurückzu­weisen. So gibt Stapff die Breite des Sandgürtels im Süden des Kuiseb auf 150 bis 200 km an a ). Unsre heutige Kenntnis von diesem Gebiet berechtigt indessen mit Sicher­heit zu der Annahme, dafs mindestens auf gröfsere Entfernungen hin die von Dünen freie Fläche der Namib auch in diesem Gebiet zu Tage trete, oder dafs wenigstens die dieselben überlagernde Sandschicht in einzelnen Landschaften von so geringer Mächtigkeit sei, dafs

!) V S 1. Peterm. Mitteü. Bd. 40, 1S94, S. G0.

2 ) Ebene oberhalb des Swakob- Canons zwischen Kcigamkab und Usabberg bereita Tund 400 in nach meiner Schätzung.

3 ) Vgl. hierzu in dem trefflichen Aufsatz des verdienstvollen Forschers in Peterm. Mitteil. Bd. XXXIII, 1887, die Ausführungen auf S. 206 208-