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Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
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I. Beobachtungen über den Aufbau des Landes.

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erhebungen, sie sind wie die Kopjes abgesonderte Erhebungen von zum Teil aufser- ordentlicher Schroffheit. Im Khousgebirge *) steigen die steilen Wände, an deren grauen Flanken sich von oben bis unten tiefe Sehründe verfolgen lassen, zu 400 m relativer Höhe an. Man ist geneigt, diese Erhebungen ein wenig zu überschätzen, denn die weite Ent­fernung, auf welche sie in der klaren Luft dieser Hochländer sichtbar sind, die Steilheit der Abhänge, die wilde Zerrissenheit der zackigen Höhen und die düsteren Schatten, welche sie in die von dem glühenden Lichte der untergehenden Sonne überstrahlten Ebenen hinein­werfen, zaubern uns ein Bild von alpiner Grofsartigkeit vor Augen, das vor dem sorgsam abschätzenden Blick des Forschers nicht immer stand zu halten vermag. Immerhin aber genügt ihre Höhe, um das Zustandekommen reicherer Niederschläge zu begünstigen, als sie sonst in dieser Länge fallen. Darauf deuten die tiefen Wasserrisse an den Abhängen, das beweisen die unterirdischen Wasserschätze in einzelnen von hier herabkommenden Flufsadern, welche die Hochebene durchziehen, schon von weitem durch das dunkle Grün der Giraffenakazien ihr Dasein verkündend. Eins aber, was in der Darstellung einzelner Karten entschieden nicht genug hervorgehoben wird, ist fast all diesen Höhenzügen ge­meinsam : die geringe seitliche Ausdehnung des Zuges, welche sie im vollsten Sinne des Wortes zu Gebirgsmauern werden läfst. Dieselbe Schmalheit der einzelnen Züge, der wir bei vielen Einzelerhebungen weiter im Innern, z. B. im Bastardlande, begegnen, ist bereits hier eins der Charaktermerkmale der Kettengebirge des Damaralandes, ein ge­wichtiger Unterschied derselben von den massigen Tafelerhebungen des Südens. Und noch eins ist es, was die Verwunderung des Beschauers erregt: es ist die auffallende Kahlheit der bedeutenderen isolierten Höhenzüge. Diese tritt uns selbst in den am meisten begün­stigten Landschaften Süd-Afrikas entgegen; sie ist in den reichbewässerten Gebirgen von Stellenbosch im Kaplande fast ebenso grofs wie im Westen des Damaralandes. Woher kommt es, dafs diese Höhen, in denen doch zeitweise viel mehr Regen niedergeht als in den tieferen Teilen des Landes, so arm an einer ihre Abhänge gegen die zerstörenden Wirkungen des Wassers schützenden Vegetation sind ? Mag die Steilheit der' Abhänge, die das Regenwasser schnell und heftig zu Thal strömen läfst, zu einem guten Teile als Ursache angesehen werden, so erklärt diese doch nicht die Pflanzenarmut an den ge­schützteren Stellen der Berge. Ich vermag mir dieselbe nur durch den Einflufs der dünnen und klaren Höhenluft dieser Regionen zu erklären, welche viel stärker als in unsern heimat­lichen Gebirgen die an sich schon bedeutenden Temperaturgegensätze zwischen Tag und Nacht verschärft und so durch die Höhenwirkung wieder zerstört, was auf der andern Seite durch die Vermehrung der Niederschläge begünstigt erscheint.

3. Das Gebirgsland des südlichen Damaralandes.

Das ganze südliche Damaralaiid östlich der Länge von Otjirnbingue und südlich einer von den Bergen von Itusis auf Okahandja zu streichenden Linie ist von gewaltigen Er­hebungsmassen erfüllt, welche einem grofsen Teile dieses Gebiets den Charakter eines hohen Gebirgslandes verleihen. Die Ostgrenze dieser gebirgigen Teile des Hererolandes bildet eine annähernd unter 17-i-° Ö. L. verlaufende Linie; im Süden werden sie durch die ge­waltige Mauer der Awasberge und den westlich an diese sich anschliefsendon Südrand der Khomasländer von der oberen Terrasse des Landes der Rehobother Bastards geschieden. Wie bereits an andrer Stelle von mir angedeutet wurde 2 ), wird die Höhe dieses Systems zwar durch die Meereshöhen einzelner Gipfel 3 ) übertreffen, aber dasselbe bildet in seiner Ausdehnung und bei seiner beträchtlichen Erhebung über das Niveau des Ozeans eine derartige Masse, dafs wir es hinsichtlich dieser letzteren als die gewaltigste Er-

x ) Erscheint auf den Karten öfters unter dem Namen Geiesibgebirge.

2 ) Vgl. Peterm. Mitteil. 1894, S. 62.

3 ) Besonders durch die Omatsikogipfel.