Print 
Deutsch-Südwest-Afrika : Ergebnisse einer wissenschaftlichen Reise im südlichen Damaralande / von Karl Dove
Place and Date of Creation
Page
4
Turn right 90°Turn left 90°
  
  
  
  
  
 
Download single image
 

4

Dove, Deutsch - Südwest - Afrika.

sie ein Zutagetreten des vom Innern (z. B. durch den Tsauchah) herbeigeführten "Wassers zulasse. Ich habe an andrer Stelle den Beweis für diese Ansicht zu erbringen gesucht und will hier nur soviel bemerken, dafs alle Erkundigungen bei Eingebornen und alle in dem Grenzgebiete dieser unbekannten Landschaften 1 ) ermittelten Thatsachen für die Rich­tigkeit unsrer Ansicht sprechen, die auch durch einen Kenner wie Dr. Theophilus Hahn vertreten wird 2 ).

2. Das Westgebiet bis Otjimbingue.

Diesen Teil des südlichen Damaralandes kann man am besten einem ungeheuren Sockel vergleichen, der von Osten nach "Westen langsam absinkt und durch aufgesetzte Berge und Bergketten sowie durch unter seine Durchschuittshöhe eingesenkte Thäler den Charakter einer nach dem Innern zu ansteigenden Hochebene verliert. Selbst wo sich, wie z. B. im Norden des mittleren Swakob, wirkliche Ebenen finden, ist das Ansteigen des Landes in östlicher Richtung deutlich zu beobachten. Man kann den durchschnittlichen Aufstieg dieser Seite der südafrikanischen Landmasse zu 6 m auf den Kilometer veranschlagen. In diesem "Übergangslande verlieren sich die caüonartigen Thäler der gröfseren Flüsse noch nicht völlig. Sowohl der Kuiseb wie der Swakob durchschneidet das Hochland auf weite Strecken in tiefen Schrunden mit mauerartig steilen Wänden. Solche Stellen finden sich nach den Erkundigungen von Köhler und v. Bülow bis weit hinauf am Mittellauf des Kuiseb, und im Thale des Swakob habe ich noch oberhalb der Einmündung des Dorstriviers (15i 0 ö. L.) weite Thalstrecken gesehen, in welchen die mauerartig emporsteigenden Wände von 150 m rel. Höhe dem Flusse nur einen Raum von etwa 200 m Breite übrig liefsen. Oberhalb der Mündung des Kamikaub (in der Gegend der Potmine) betritt man dann das Gebiet, in dem der Swakob durch eine Folge breiter Thalkessel und niedriger Senken von den östlichen Landschaften herabkommt und in denen man zuerst auf grofse seitliche Ent­fernung vom Flufsbette seine Alluvialbildungen zu verfolgen vermag. Bisweilen heben sie sich, wie bei Bülsbout (unterhalb Anawood), von den umgebenden buschigen Hügel­rücken durch ihre dichte Bedeckung mit niedrigen, dornlosen Gewächsen schon aus gröfserer Entfernung deutlich ab.

Aber auch die Erhebungen dieses weiten Gebiets weisen darauf hin, dafs wir es mit einem Übergangslande zu thun haben. Zwar bilden auch einzelne Erhebungen ausnahms­weise ein massiges kleines Gebirge, wie der Gawiebberg bei Salem, der, eine der bekannten Landmarken des "Westens, mit seinen verschiedenen Gipfeln stattlich aus der umliegenden Landschaft aufsteigt, im ganzen aber finden wir zwischen vereinzelten Kuppen und schroff emporsteigenden Bergketten immer wieder Flächen, die mit ihren grasigen "Weiden hier und da von Trupps der nur in der Ebene lebenden Antilopengattung, des zierlichen Springbocks, belebt sind. Ebenso mannigfaltig wie die Oberflächenformen des Gebiets im ganzen zeigt sich auch die Bildung der Erhebungen im einzelnen. Häufig sind niedrige, rundliche Kuppen, die bisweilen 30 m Höhe und mehr erreichen. Noch häufiger aber erscheinen auch hei den isolierten Höhen schroffe Formen. Man erblickt Hörner und Zinnen, und ein südlich von den Khousbergen aus der geneigten Ebene emporragender Doppelgipfel, der sich gut zu Peilungen eignet und dessen Erhebungen ich die Namen Richthofen- und Wagner-Spitze beilegte, zeigt die schönen Formen gleichmäi'sig ansteigender Mittelgebirgsgipfel.

Die eigentlichen Bergketten, unter denen sich das Khousgebirge und die östlich an dasselbe anschliefsenden Berge von Itusis durch ihre Ausdehnung und Höhe auszeichnen, sind in diesem Teile des Landes meist ohne Zusammenhang mit den eigentlichen Massen-

!) Die Ausdehnung des völlig unbekannten Gebiets zwischen Walfischbai und Angra Pequena ist auf 40000 qkm zu schätzen. {fStqi nb-»i '

2 ) Vgl. dessen Kalte von Südwest-Afrika.