Das am ^. Juli von der Reichsregierung amtlich bekanntgegebene Erscheinen des deutschen Kanonenbootes „Panther" vor Agadir hat mit einem Schlage die allgemeine Aufmerksamkeit auf die marokkanische Frage gelenkt' nicht allein die Regierungen der beteiligten Mächte sind durch diese Wendung in Anspruch genommen, die öffentliche Meinung der ganzen Welt beschäftigt sich eifrigst mit ihr, was um so begreiflicher erscheint, als gegebenenfalls Folgen von der weittragendsten Bedeutung sich an dies Ereignis knüpfen können.
Im Deutschen Reiche wurde die Entsendung eines Kriegsschiffes nach dem Süden des atlantischen Marokko von der überwältigenden Mehrheit des Volkes mit freudiger Genugtuung aufgenommen, ja man kann fast von Begeisterung sprechen: man erblickt darin nach den langen, langen Iahren des Gehen- lassens und Duldens den ersten Schritt zu einer Politik der festen Hand dem Auslande gegenüber, und ist entschlossen, die Regierung bei solcher Politik zu unterstützen.
Es ist im höchsten Grade erfreulich, wie einmütig die öffentliche Meinung sich hinter jene Maßregel stellte, die durch die Notwendigkeit geboten war, gewichtige deutsche Interessen in Süd-Marokko zu schützen, und man kann erwarten, daß die Reichsregierung bei der weiteren Behandlung der marokkanischen Frage sich des Rückhalts bewußt ist, den sie bei dem deutschen Volke hat.
Es ist mit großer Wahrscheinlichkeit darauf zu rechnen, daß das Erscheinen des kleinen deutschen Schiffes vor Agadir die marokkanische Frage in Fluß bringt, so daß die eingeleiteten Verhandlungen sich von dem nächsten Anlaß — dem örtlichen Schutzbedürfnis der deutschen Reichsangehörigen in Süd-Marokko wegen dort herrschender Unsicherheit — ausdehnen werden auf die endgültige Entscheidung über das Schicksal des Scherifen- reiches.
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