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Diltheys Untersuchungen des wirtschaftlichen Wertes von Deutsch-Ostafrika (1888).
Die vorstehende, nach gewissenhafter Untersuchung der von Missionaren und Forschungsreisenden gefundenen Thatsachen, zusammengestellte Darlegung der hohen wirtschaftlichen Bedeutung von Deutsch- Ostafrika, wird in allen ihren Teilen bestätigt und ergänzt durch die vortreffliche Schrift des Amtsgerichtsrates Richard Dilthey, „Der wirtschaftliche Wert von Deutsch-Ostafrika. Düsseldorf, Bagel, 1889", die wohl in der Hand eines jeden Kvlonialfreundes sein wird. Es wäre zu wünschen, daß Deutschland noch viele solcher patriotischen Männer wie Dilthey hätte, welche ganz in englischer Weise eine weite Seereise nicht scheuen, um irgendein für die nationale Arbeitskraft neu aufgeschlossenes, vielversprechendes Gebiet an Ort und Stelle zu studieren und das Ergebnis der Untersuchungen zum allgemeinen Besten zu veröffentlichen. Wir heben einige bemerkenswerte Stellen heraus:
„Die Gegner der neueren deutschen Kolonialpolitik", sagt er im Vorwort, „berufen sich mit Vorliebe auf die Autorität des Dr. Fischer, um den Wert unserer afrikanischen Besitzungen herabzusetzen. Durchschlagend erscheint ihnen der Satz, den dieser gründliche Kenner Ostafrikas in seiner sehr lesenswerten Schrift: Mehr Licht im dunklen Weltteil - als für das gesamte tropische Afrika gültig ausstellt: ,Die gesunden Gebiete sind die unfruchtbaren, und die fruchtbaren sind die ungesunden/ Nach der Deutung, die sie diesen Worten geben, wären die gesunden Gebiete so unfruchtbar, daß sie überhaupt keinen Wert hätten, und die fruchtbaren, also die allein wertvollen, so ungesund, daß ein Europäer vernünftigerweise gar nicht daran denken könnte, sie in Kultur zu setzen.
„Daß dies indessen nicht der Sinn des Verfassers ist, geht schon daraus hervor, daß er in dem Vorwort seiner Schrift sich selbst einen eifrigen Anhänger der Kultivation Afrikas nennt. Auch läßt die Begründung, die er jenem Satze giebt, erkennen, daß derselbe nicht nur für Afrika, sondern ebenso für andere tropische Länder gilt. Er führt nämlich aus, daß Trockenheit, welche die erste Bedingung für die Beseitigung von Miasmen sei, zugleich die Vegetation ver-