Latuka.
Das schönste Volk Ostafrikas. — Die Latuka-Stadt Tarrangole. — Merkwürdiger Kopfputz der Latuka. — Der Leichentanz. — Ein höchst charakteristisches Gespräch mit einem Latukahäuptling über Unsterblichkeit.
Das Latulaland ist ein breites Thal, welches sich zwischen der Dschebel Lafit und den noch bedeutend höheren Madibergen im Süden hinzieht. Wälder und Buschwerk wechseln mit freien Ebenen, und überall finden sich die Higlikbäume, welche hier und da in waldähnlichen Gruppen zusammenstehen.
Die Latukas sind die schönsten Wilden, die ich je gesehen habe. Ich maß eine Anzahl von ihnen, da sie in mein Zelt kamen, und indem ich 2 Zoll für die Decke ihrer Filzhelme abrechnete, betrug die durchschnittliche Höhe 5 Fuß liz Zoll. Ihre Arme und Beine sind klassisch geformt, ungewöhnlich muskulös, aber nie feist oder fleischig. Sie zeichnen sich vor den Stämmen des Weißen Nils durch ein hohes Vorderhaupt, große Augen, etwas vortretende Backenknochen und einen gutgestalteten, nicht allzu großen Mund mit vollen Lippen aus. Auf ihren Anzug und Putz verwenden die Männer viel Zeit und Ausdauer; das Wesentlichste davon ist die Frisur; sie durchweben ihr Wollhaar mit Zwirn, bis es einen natürlichen Filz bildet, der in dem Maße erneuert wird, als die Haare nachwachsen, und bis zu
») Tarrangole, Hauptstadt der Landschaft Latuka in der früheren Mu- dirie Hat-al-Estiva, wurde schon 1884 von Ägypten aufgegeben. Sie liegt 140 Km südöstlich von Gondokoro.